Tango made in Greece – „As erchosoun gia ligo“

Ein melancholischer und wunderschöner griechischer Tango aus dem Jahr 1948 des Komponisten Michalis Souyioul, gesungen von Danai Stratigopoulou:

Der Liedtext stammt von dem Schriftsteller und Texter Mimis Traiforos, aus dessen Feder auch bedeutende Hits seiner Ehefrau Sofia Vembo stammen.

Ich habe den Text als eine Art kleine Sprachübung in griechischer Lyrik ins Deutsche übersetzt.

Freie Übersetzung des Songtextes ins Deutsche:

„Wenn du nur für eine Weile kommen würdest“

(As erhosoun gia ligo)

Wo bist du nur heute Nacht,

wo ich so unglaublich einsam bin

und Verstecken spiele

mal mit meinem Kummer,

mal mit meinem Schmerz?

Wo bist du nur heute Nacht,

wo mich die wilde Brise überkommt?

Komme zu mir mit einem heißen Kuss

und erfülle mich mit Sommer

Wenn du nur für eine Weile kommen würdest,

bloß für eine Nacht,

um meine schreckliche Dunkelheit mit Licht zu erfüllen

In deinen beiden Armen

hätte ich es warm

Wenn du nur für eine Weile kommen würdest,

auch wenn du danach für immer verloren wärst

Wo bist du nur, wirst du heute Nacht noch kommen?

Auf diesen Straßen, die dich lieben,

könnten unsere Schritte ihr vertrautes Duett wieder singen.

Wo bist du nur, wirst du heute Nacht noch kommen,

wo die Hoffnung zu einem trockenen Blatt verdorrt ist?

Sei ganz nah bei mir und bewahre mich vor dem Sturm des Schmerzes

Wenn du nur für eine Weile kommen würdest,

nur für eine Nacht,

sodass du meine schreckliche Dunkelheit mit Licht erfüllst

und ich es warm hätte

in deinen beiden Armen

Wenn du doch nur für eine Weile kommen würdest,

auch wenn du danach für immer verloren wärst

****

Original:

Δανάη Στρατηγοπούλου „Ας ερχοσουν για λιγο“ 1948

Μουσική: Μιχάλης Σουγιούλ

Στίχοι: Μίμης Τραϊφόρος

Ας ερχοσουν για λιγο

Πού να ‚σαι αλήθεια το βράδυ αυτό

που είμαι τόσο, μα τόσο μόνος

και που μαζί μου παίζουν κρυφτό

πότε η θλίψη και πότε ο πόνος

Πού να ‚σαι αλήθεια το βράδυ αυτό

που με χτυπάει τ‘ άγριο τ‘ αγέρι

να ‚ρθεις και μ‘ ένα φιλί καυτό

να με γεμίσεις με καλοκαίρι

Ας ερχόσουν για λίγο

μοναχά για ένα βράδυ

να γεμίσεις με φως

το φριχτό μου σκοτάδι

και στα δυο σου τα χέρια

να με σφίξεις ζεστά

ας ερχόσουν για λίγο

κι ας χανόσουν μετά

Πού να ‚σαι, να ‚ρθεις το βράδυ αυτό

σ‘ αυτούς τους δρόμους που σ‘ αγαπούνε

το ντουετάκι τους το γνωστό

τα βήματά μας να ξαναπούνε

Πού να ‚σαι να ‚ρθεις το βράδυ αυτό

που ‚γινε φύλλο ξερό η ελπίδα

να ‚ρθεις κοντά μου να φυλαχτώ

από του πόνου την καταιγίδα

Ας ερχόσουν για λίγο

μοναχά για ένα βράδυ

να γεμίσεις με φως

το φριχτό μου σκοτάδι

και στα δυο σου τα χέρια

να με σφίξεις ζεστά

ας ερχόσουν για λίγο

κι ας χανόσουν μετά.

Vokabel des Schreckens

Vor kurzem hatte ich meine Mutter zu Besuch und wir streamten zusammen ein Liebesdrama. Wir schauten den Film auf Deutsch mit griechischem Untertitel. Irgendwann tauchte folgender Buchstabensalat auf:

„Αλληλοκαταστροφήκαμε“

(=Allilokatastrophikame). Griechen lesen über solche Konstruktionen entspannt hinweg. Aber ich finde sie dennoch bemerkenswert. Übersetzt heißt diese Wortkonstruktion: „Wir haben uns gegenseitig zerstört.“

Subjekt, Prädikat, Objekt – alles in einem kompakten Paket. Was will man mehr? 20 Zeichen im Griechischen versus 30 Zeichen in der deutschen Entsprechung. Ich liebe die deutsche Sprache, aber dieser Punkt geht klar an Griechenland.

Da will noch einer behaupten, Griechen verschwenden viele Worte…

Scribo, ergo sum

© 2023 Koutamares

Zu Deutsch: Ich schreibe, also bin ich.

Inspiriert durch den Grundsatz des französischen Universalgelehrten und Begründer des Rationalismus René Descartes (1568-1650), möchte ich diesen Blog beginnen. Im Original lautet der Satz „Je pense, donc je suis“ (Ich denke, also bin ich). Aber die lateinische Variante (ego) cogito, ergo sum ist bekannter und Latein kommt unter Intellektuellen generell einfach cooler.

Dabei hatte Descartes mit seiner Beweisführung vermutlich gar nicht die Absicht, eine große Bugwelle auszulösen. Nichtsdestotrotz hat er die moderne Sichtweise von Geist und Körper grundlegend geprägt und rockt damit – zu Recht – weit über seinen Tod hinaus.

Wer nun aber auf eine ausgiebige und zermürbende erkenntnistheoretische Debatte lauert, den muss ich leider gleich wieder enttäuschen. Denn meine Zweifel an meiner Existenz halten sich derzeit stark in Grenzen. Früher hätte ich ewig über solche Fragen nachdenken und mit Gleichgesinnten bequatschen können. Aber irgendwann wird man erwachsen. Da hat man diesen Luxus irgendwie nicht mehr und legt solche Fragen ad acta. Zurzeit habe ich einfach keine Zeit, um über die Existenz von Zeit nachzudenken oder über meine eigene. Aber falls doch, erfahrt ihr es zuerst.

Apropos Zeitmangel. Vielleicht bin ich ja deshalb ein wenig anachronistisch, weil ich die Zeit manchmal am liebsten packen und festhalten möchte. Um es vorweg zu nehmen: nein, auf der antiken Schreibmaschine, die auf dem Foto abgebildet ist, habe ich nie getippt. Man muss es in puncto Nostalgie ja nicht gleich übertreiben. Aber ich war tatsächlich Spätsünderin, was den Erwerb von EDV-Kenntnissen anbelangt. Nicht Mangels Interesse, sondern mangels Equipement. In meiner Kindheit und Jugend beschränkte sich mein erster Kontakt zur digitalen Welt auf Videospiele. Erst Pong, später PlayStation. Während die anderen Kids in der Schule über „Rechner“, „Betriebssysteme“ laberten und im Unterricht souverän ihre „Excel“-Tabellen präsentierten, tippte ich meine Arbeiten mühsam mit Zwei-Finger-Suchsystem an der Schreibmaschine. Ich nutze eine rein mechanische im kompakten Reiseformat ohne elektronisch gestützten Anschlag. An die Marke erinnere ich mich ehrlich gesagt nicht. Ich mochte die Schreibmaschine nämlich nicht wirklich; sie war einfach viel zu widerspenstig. Ich musste kräftig in die Tasten hauen. Das ging in die Finger… Zudem war mein Tipp-Ex-Verbrauch beachtlich. Erst mit Beginn des Studiums wurde ich schließlich erlöst und bekam meinen ersten PC – von Aldi. Für den stand ich damals früh morgens vor Vorlesungsbeginn an der Filiale an. Jagdfieber!

Zurück zum Thema. Nun sitze ich hier und schreibe. Aber warum schreibe ich überhaupt? Und wieso einen Blog? – Ganz einfach, weil es mir schlicht Freude bereitet, meine Gedanken und Gefühle schriftlich auszudrücken. Schreiben ist kreativ und therapeutisch. Entspannung pur. Es ist mein Handwerk. Ich schreibe nicht erst seit gestern. Beruflich musste ich schon zahllose Schriftsätze erstellen. Aber sie repräsentieren nicht oder kaum, wer ich bin, wovon ich träume oder was mich im Inneren antreibt, zumindest nicht direkt. Die Persönlichkeit schwingt natürlich immer mit, wie forensische Linguisten bestätigen können. Aber oft waren diese Texte nur Mittel zum Zweck und im Grunde Zeitverschwendung, da ihr Erstellen meist nicht erfüllend war. In der Kommunikation vieler Fachdisziplinen lernt man leider, sich künstlich zu verkomplizieren, baut verrückte Schachtelsätze, die an Matrjoschkas erinnern. Paradoxerweise verkümmert der Stil, je größer und komplexer der Werkzeugkasten ist. Um das eigene Sprachvermögen ein wenig zu „detoxen“ und wieder mehr zu vermenschlichen (seht ihr, was ich meine?^^), habe ich schon vor Jahren damit begonnen, kreativ zu schreiben, z.B. Gedichte, Kurzgeschichten, Fanfiction. Daneben verbrachte ich hin und wieder Zeit in Internetforen, bevorzugt in solchen, in denen der Ton auch mal etwas rauer, aber dafür menschlich war. Das war überraschend hilfreich, um meinen zwischenzeitlich trockenen und verschwurbelten Stil wieder auf ein natürlicheres, verständlicheres und vor allem lebendigeres Niveau zu bringen. Ideales Training.

Natürlich gibt es im Internet viele Möglichkeiten, auch ohne eignen Blog seine Gedanken mit anderen zu teilen. Soziale Medien beispielsweise. Je nach Materie, die berührt wird, passen die Gedanken nicht immer in den Rahmen, den solche Plattformen bieten. Zudem hege ich an mich selbst den Anspruch, für meine Gedanken sowie meine Haltung zu bestimmten Themen einzustehen, selbst dann wenn es mal unbequem wird. Ich möchte mich nicht hinter Facebook, Twitter etc. verstecken. Nichtsdestotrotz haben solche Plattformen ihre Daseinsberechtigung und sind durchaus sinnvoll, um beispielsweise mit anderen in Verbindung zu treten, in Kontakt zu bleiben oder sich über Events zu informieren.

Übrigens rede ich genauso gern wie ich schreibe. Für einen Blog habe ich mich jedoch entschieden, um meine Gedanken, Ideen und Erfahrungen in den Fokus zu rücken, weniger meine Person, auch wenn das natürlich nicht wirklich zu trennen ist. Descartes hatte nicht ganz Unrecht. Er betrachtete den Menschen nämlich als Maschine, welche durch den Kopf bzw. das Gehirn gesteuert wird. Aber nach heutiger Auffassung treibt diese „Maschine“ – vereinfacht dargestellt – auch umgekehrt das Gehirn an, versorgt es etwa. Alles hängt schließlich mit allem zusammen. Und de facto bin ich kein verkabeltes Gehirn in einem mit Flüssigkeit gefüllten Glaszylinder, sondern in erster Linie Mensch.

Schreiben erscheint mir als Kanal meiner Gedanken jedenfalls irgendwie solider als andere Optionen, auch wenn am Ende vermutlich sowieso alles Schall und Rauch ist und nichts und niemand mit hundertprozentiger Sicherheit existiert. Aber so lange ich atme, esse, denke, fühle, tanze und schreibe etc., solange bin ich.

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