Funkenflug zum Mars

​Man konnte es in den letzten Tagen kaum übersehen: Die Bildschirme flimmerten, und schließlich läutete sie, die historische Börsenglocke an der NASDAQ zum SpaceX-Börsengang. Ein Moment voller Euphorie und Pioniergeist. Doch in den Fernsehstudios bot sich schnell das gewohnte Kontrastprogramm: Analysten und Finanzexperten im maßgeschneiderten Anzug, die mit einem fast schon mitleidigen, arroganten Schmunzeln von oben herab über die Aktie urteilten.

​Da wurde in steriler Atmosphäre über Minuszahlen doziert und bemängelt, das Unternehmen hinke bei der KI hinterher. Wer die Welt nur durch die Brille starrer Excel-Tabellen betrachten kann, versteht eben keine Raketen oder Satelliten. Besonders heuchlerisch wird es dann, wenn dieselben Kritiker, die eben noch lautstark gewarnt haben, beiläufig einräumen, trotzdem privat ein paar Anteile im Portfolio zu halten. Man bremst die Begeisterung der Allgemeinheit aus, will aber insgeheim mitschröpfen, falls die Vision doch abhebt. Es ist ein kalkuliertes Gatekeeping: Mit Informationsasymmetrie wird die lästige Konkurrenz der Kleinanleger verunsichert, um sich selbst die Filetstücke am Markt zu sichern. Und die wenigen authentischen Mahner unter den Zahlenverwaltern übersehen das Wesentliche: die faszinierende Triebkraft hinter diesem Projekt.

​Der Macher und seine Grenzenlosigkeit

​Man muss kein bedingungsloser „Fan“ von Elon Musk sein, um anzuerkennen, dass er eine der herausragenden Persönlichkeiten unserer Zeit ist. Natürlich eckt er an. Seine politischen Ausflüge ins Weiße Haus oder so manche exzentrische Verrücktheit auf der Weltbühne lassen einen den Kopf schütteln. Und ganz unter uns: seine rhythmischen Gehversuche bei diversen öffentlichen Auftritten sind ein tänzerisches Desaster. Zugegeben, seine Moves sind nicht halb so desaströs wie die seines Ex-Kumpels, aber als leidenschaftliche Tänzerin juckt es mich jedes Mal in den Fingern: Für den unwahrscheinlichen Fall, dass er von meinem Text Notiz nimmt, sei ihm hiermit ein kostenloses Angebot für ein paar Stunden argentinischen Tango unterbreitet. Ein bisschen Musikalität, Zentrierung und Struktur könnten den nötigen geerdeten Halt geben und die Selbstwahrnehmung schärfen, während der Kopf getrost in den Sternen hängt.

Aber Spaß beiseite: wer große Dinge bewegen will, bewegt sich in der Regel nicht in den Bahnen der gängigen Konventionen. Kurz vor dem Läuten der Börsenglocke zeigte Elon Musk übrigens eine fast schon rührende Ehrfurcht, als er sinngemäß einräumte, dass er selbst vor ein paar Jahren niemals gedacht hätte, heute an diesem historischen Punkt zu stehen. Was ihn auszeichnet, ist die pure, grenzenlose Vorstellungskraft eines echten Machers. Während die Analysten noch das Risiko kalkulieren, baut er an seiner Vision einer strukturierten Zukunft der menschlichen Raumfahrt. Wo andere Mauern sehen, sieht er eine Startrampe.

​Das Fundament trägt die Sterne

​Doch woher kommen die Minuszahlen, über die in den Nachrichten so herablassend gesprochen wurde? Sie sind kein Zeichen von Schwäche, sondern das Ergebnis gigantischer Investitionen. Es sind Ausgaben für echten Stahl, tonnenschweren Treibstoff, hochkomplexe Triebwerke und den Aufbau von realen Fabriken. Und hier kommen wir zum eigentlichen Trugschluss der Finanz-Elite: Geld allein baut keine Raketen.

​Als jemand, der aus einer Arbeiterfamilie stammt, weiß ich: Die wahren Säulen unserer Gesellschaft sind die Menschen, die jeden Tag aufstehen und reale Werte schaffen. Es sind die Schweißer, die Ingenieure, die Mechaniker und Logistiker, die den Traum vom All physisch und ganz und gar real zusammensetzen. Ein System, in dem die Verwalter des Geldes auf die Erbauer der Realität herabschauen, hat seinen inneren Kompass verloren. Ohne die ehrliche Arbeit am Boden würde kein einziger Traum jemals abheben!

​Ein Stück Unendlichkeit

​Am Ende geht es bei diesem Projekt um so viel mehr als um ein Tickersymbol an einer Anzeigetafel oder die prozentuale Gewichtung in einem anonymen Portfolio. Es geht um eine der ältesten Sehnsüchte der Menschheit. Seit wir als Spezies nachts an den Lagerfeuern saßen und zu den Sternen aufblickten, träumen wir davon, zu erfahren, was hinter dem Horizont liegt.

​Die risikoscheuen Verwalter der Gegenwart werden die Welt niemals verändern und auch keine Geschichte schreiben. Es sind die Mutigen, die Träumer und die Macher, die uns voranbringen. SpaceX fasziniert uns nicht, weil es eine Aktie ist, sondern weil es uns daran erinnert, wozu wir fähig sind, wenn wir das Hamsterrad für einen Moment vergessen und den Blick nach oben richten. Es ist der romantische Glaube daran, dass unsere Reise als Menschheit nicht am Boden endet, sondern dass wir ein winziges Stück Unendlichkeit mitgestalten dürfen. Denn der wahre Wert des Aufbruchs zu den Sternen liegt weit jenseits der Spalten und Zeilen einer nüchternen Bilanz.

(Video: Eigene Aufnahme der vorbeiziehenden Satellitenflotte „Starlink“ über Süddeutschland aus dem Jahr 2022)

Krisenmanagement

Wie ich euch bereits erzählt hatte, habe ich mir vor einiger Zeit die Hand verletzt. Seither begleiten zahlreiche Physiotermine, Gymnastik und Sorgen meinen Alltag. Ich investiere viel Zeit, Energie und Gedanken in die Wiederherstellung von Beweglichkeit, Kraft und Koordination. Vieles, was mir bis dato wichtig und lieb war, kann ich – zumindest bis auf weiteres – nicht mehr tun. Die gewohnten Fertigkeiten, über die man sich als Gesunder fast nie Gedanken macht, erobere ich nur sehr langsam und in kleinen Portionen wieder zurück. Dies ist eine meiner bisher größten Prüfungen in puncto Geduld.

Der Krisenfall

Als die erste (Teil-)Diagnose kurz nach dem Unfall gestellt war, dachte ich damals optimistisch „Ok, nochmal Glück im Unglück gehabt. In ca. 6 Wochen ist das Ganze verheilt plus vielleicht ein paar wenige Wochen Reha. Dann müsste alles wieder ok sein.“ Pustekuchen! Abgesehen davon, dass das genaue Ausmaß meiner Verletzung, also auch die Begleitschäden noch nicht absehbar waren, hatte ich nicht auf dem Schirm, was es genau bedeutet, den Alltag nur mit einer Hand zu bewältigen. Kurz gefasst, sie fehlt weit mehr als gedacht. Autofahren, Tango tanzen, Gitarre spielen und diverse Kontaktsportarten. Alles, was für meine Zufriedenheit und Balance von Bedeutung war, brach schlagartig weg. Darunter litt ich mehr als unter den physischen Schmerzen und teilweise noch immer. Von den gewohnten Handlungen im alltäglichen Leben ganz zu schweigen.

Dieser Beitrag soll jedoch kein Klagelied werden. Denn Selbstmitleid hilft mir nicht weiter – die tatkräftige Unterstützung meines Umfeldes sowie meiner Therapeuten hingegen schon. Lieber möchte ich euch erzählen, wie ich meine Situation bewältige und mich mental über Wasser halte. Wer jetzt aber ein ausgeklügeltes Konzept zur Krisenbewältigung erwartet, den muss ich gleich enttäuschen. Es gibt keins. Ich improvisiere.

Reiseabenteuer

Den Pausenknopf zu drücken und monatelang meiner Genesung entgegenzusehen, erschein mir als trostlose Zeitverschwendung. Also entschied ich mich, einfach weiterzuleben und zu unternehmen, was meine Stimmung heben könnte und wozu ich mich zumindest halbwegs imstande sah. Anstatt zu betrauern, was ich nicht mehr kann, konzentriere ich mich auf die Dinge, die ich kann und lote meine Grenzen aus. Das gibt mir Zuversicht und Kraft.

So bin ich etwa kurz nach der OP, wie ursprünglich geplant, mit der Familie nach Griechenland gereist. Sehr kurz danach, genauer gesagt. Es war nicht leicht, unter postoperativen Schmerzen und ärztlich angeordneter Hochlagerung des Armes schadlos durch die Menschenmengen an den Terminals und Gates zu manövrieren. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Zum Glück hatte ich unterwegs tatkräftige Hilfe mit dem Gepäck bzw. Unterstützung. Ein Spaziergang war die Anreise dennoch nicht.

Für den diesjährigen Sommerurlaub hatte ich einen mehrtägigen Trip in Mittel- und Nordgriechenland organisiert. Ein weiterer Kraftakt für mich, aber nicht unmöglich. Nach einer Woche ging es auch schon mit dem Mietwagen vom Hauptquartier in Peloponnes nach Lefkada, einer traumhaft schönen Insel im Ionischen Meer. Mit Gefrierbeutel überm Arm (die halten schön dicht) und Haushaltsgummis bin ich im türkisblauen Meer baden gegangen. Um die Hand vor Überwärmung zu schützen, habe ich ein feuchten Coolingtuch aus Mikrofaser darüber drapiert und mit Wäscheklammen befestigt. Das funktionierte prima. Komplett einzutauchen und richtig zu schwimmen ist natürlich schöner, aber so ging es auch. Kein Grund, am Strand zu verweilen und auf die Abkühlung zu verzichten. Man muss sich einfach zu helfen wissen. Mit meiner Konstruktion fühlte ich mich jedenfalls wie McGyver. B–)

Aber nur am Strand zu faulenzen ist auf Dauer nichts für mich. Also erkundeten wir eine ehemalige NATO-Radarstation aus dem Kalten Krieg. Ein wahrer Lost Place, der über Seperntinen und ungesicherte Haarnadelkurven nicht leicht zu erreichen war. Dort erkundeten wir die marode, aber eindrucksvolle Anlage. Ich stieg sogar einige Leitersprossen an einer der vier Riesenschüsseln hinauf und balancierte später auf einem Betonbalken des Fundaments. Ja, alles behutsam und einhändig – mit Handschiene. Ich war einfach begeistert von diesem Ort und wollte die positive Energie nutzen, um meinen Körper daran zu erinnern, dass er trotz der Einschränkung noch ein bisschen was draufhat.

Zurück auf dem Festland besichtigten wir auf dem Weg nach Ioannina, das Nekromanteion in Acheron. Dort stieg ich in den Hades hinab, indem ich eine schmale steile Metalltreppen einhändig überwand. Richtig gelesen, wieder mal war ich im Hades, aber diesmal war es ein anderer Zugang. Es gibt mehrere verstreut in Griechenland. :–) Die Höhle war etwas unheimlich, aber auch schön kühl unter tage bei Außentemperaturen von rund 35°C.

Noch am selben Tag trafen wir in Ioannina ein. Mein erster Besuch dieser wunderschönen Stadt, aber sicher nicht mein letzter! Dank der Bemühungen eines Freundes haben wir viele Sehenswürdigkeiten in dieser geschichtsträchtigen Stadt besichtigt. Zwei Tage und zwei Nächte waren meinerseits ein bisschen knapp kalkuliert.

Auf der Rückreise zu unserem Hauptquartier auf Peloponnes besuchten wir noch die Tropfsteinhöhle von Perama, was wegen der vielen Stufen ziemlich anstrengend war. Ich musste mich mit der gesunden Hand sehr gut festhalten, weil ich keinen Sturz auf die operierte riskieren durfte. Aber trotzdem waren die Naturgebilde wunderschön sowie faszinierend und die Strapazen insofern lohnenswert.

Im direkten Anschluss machten wir noch einen kurzen Abstecher im Antike Theater von Dodoni, einem erstaunlich gut erhaltenen Amphitheater.

Apropos Theater. Auch unseren alljährlichen Besuch im Epidauros-Theater haben wir nicht ausgelassen. Die Tickets Andromache von Eurypides waren längst gebucht. Eine ziemlich coole und moderne Inszenierung. Tolle Choreos in dramatischer Beleuchtung.

Balance

Zurück in Deutschland ging es dann auch schon los mit der Physio. Parallel hierzu bekam ich Unterstützung aus der Traditionellen Chinesischen Medizin. Ich hatte und habe Glück mit meinen Therapeuten. Trotz der Therapien und meiner Anstrengungen um die Gesundheit meiner Hand, musste ich achtgeben, nicht zu sehr in diesen gewissen Krank-Modus zu verfallen. Bei den vielen Terminen passiert das schneller als einem lieb ist.

Das Praktizieren und weitergehende Erlernen von Tai Chi hilft mir dabei in vielerlei Hinsicht. Zum Glück konnte ich das Training einige Wochen nach der OP schrittweise wiederaufnehmen. Es ist aktuell die einzige regelmäßige Aktivität, die mir neben der Krankengymnastik möglich ist und somit mein Rettungsanker, wenn mich die gesundheitlichen Sorgen rund um meine Hand einholen. Daneben verhilft mir das Praktizieren auch zu einem guten Körpergefühl.

Völlig losgelöst

Das diesjähriges Sommerfest des örtlichen Luftsportvereins wollte ich eigentlich entspannt bei gutem Essen und Trinken auf festem Boden verbringen und einfach nur die Stimmung und die Flugshows genießen. Zumindest war ich fest entschlossen. Als ich dann aber die vielen Flugzeuge starten und landen sah, konnte ich es mir nicht verkneifen und stieg in einen antiken Doppeldecker (Tiger Moth), um an einem Rundflug teilzunehmen. Wieso ich auch nicht?, dachte ich mir. Schließlich brauche ich als reiner Passagier meine Hände kaum und muss nur beim Ein- und Aussteigen etwas auf mich achtgeben. Der Flug war im offenen Cockpit ein ganz besonderes Erlebnis und mein zweiter Rundflug dieser Art insgesamt. Insofern wusste ich halbwegs, was mich erwartete. Alles klappte prima und im unwahrscheinlichen Fall eines Absturzes wäre meine Hand ja nun wirklich mein geringstes Problem gewesen….

Think bigger…

Möchte man sich in eine andere, d.h. bessere Stimmung versetzen, sollte man nicht passiv darauf warten, sondern selbst aktiv werden. So lautete inzwischen mein unausgesprochenes Motto. Also folgte ich, ohne groß zu überlegen oder besondere Erwartungen, einem Aufruf eines Bekannten, setzte mich mit dem Europäischen Raumflugkontrollzentrum (kurz ESOC) in Verbindung und schon wenig später wurde ich nach Darmstadt eingeladen, um zusammen mit anderen SF-Cosplayern die Gäste während des Feierlichkeiten zum Tag der Offenen Tür anlässlich des 50-jährigen Bestehens des ESA zu unterhalten. Nach der Zusage war ich zugegeben doch etwas aufgeregt. :–D

Zwar waren die Vorbereitungen sehr anstrengend, zumal ich die operierte Hand weiterhin schonen musste, aber es war positiver Stress. Wann sonst bitte hat man schon die Gelegenheit, einen Tag lang als Volunteer für die ESA zu arbeiten und dabei weitere kleine Brücken zwischen der europäischen Raumfahrt und der Welt der Science-Fiction zu schlagen?

Ein Rückzieher kam gar nicht in Frage. Und das erwies sich auch als genau das Richtige. Am 12. September war es dann auch so weit und gemeinsam mit den anderen Cosplayer-Kollegen hielten wir die Besucher und die Mitarbeiter bei Laune als hätten wir nie etwas anderes getan. Belohnt wurde diese Tätigkeit mit wunderbaren Erinnerungen, neuen Freundschaften, spannenden Unterhaltungen, vielen lächelnden Gesichtern, großartigen Fotos und einem exklusiven Goodybag, in dem viele tolle Sachen waren. Wir waren stolze Mitglieder der ESA-Open-Days-Crew. Übrigens, der Dino auf dem Gruppenbild war kein Cosplayer, sondern ein sehr sympathischer ESA-Ingenieur, der uns kompetent durch die Kontrollräume führte.

Cosplayer-Gruppe des Open Day, ESOC Hauptkontrollraum, Darmstadt
ESOC Außengelände mit XXXL-Astronaut :–)

Während der gesamten Vorbeitungen und der Veransaltung hatte ich kaum Gelegenheit, über meine verletzte Hand nachzudenken, denn ich hatte selten so viel Spaß…. Für diese einzigartige Erfahrung bin ich sehr dankbar.

Man muss gewisse Muster im eigenen Gehirn erkennen und, falls notwendig, bewusst überschreiben. Einfach raus aus der (vermeintlichen) Wohlfühlzone!

…aaand action!

Ausnahmen bestätigen jedoch die Regel… Drei Wochen nach meinem Besuch bei der ESOC nahm ich, als persönliche Herzensangelegenheit, an einem mehrstündigen Seminar in Schauspiel und Bühnenkampf teil. Das geschah unter gründlicher Abwägung von Risiko und Nutzen. Dafür hatte ich mich schon im Frühjahr, also lange vor dem Unfall angemeldet. Da ich mich sehr darauf freute, kam eine Stornierung nicht in Frage. Die Organisatoren und Teilnehmer nahmen Rücksicht auf meine Situation. So galt es, Stöß gegen sowie Stürze auf meine Hand unbedingt zu vermeiden. Insofern war ich 200% konzentriert und darauf bedacht, keinen Mist zu bauen. Entweder hielt ich meine Hand komplett aus der Übung raus und schützte sie hinter meinem Rücken oder ich baute sie sinnvoll ein, indem ich eine verletzt Spielende agierte – was eine gewisse Ironie hat!

Fazit

Zusammenfassend könnte man sagen, dass eine gesunde Mischung aus Abenteuerlust und Übermut meine medizinische Therapie gut ergänzt. Für mich funktioniert das, neben meiner Arbeit, die mich auf Trab hält, bisher ganz gut. Aber man sollte seine Fähigkeit und Grenzen jederzeit kennen. Von meinem Umfeld ernte ich für meine Aktivitäten und Resizilienz überwiegend Bewunderung, was mich wiederum verwundert, denn im Grunde möchte ich einfach nur leben, meine Tage sinnvoll, d.h. mit angenehmen Menschen und schönen Unternehmungen, verbringen. Nicht mehr und nicht weniger. Nur weil ich eingeschränkt bin, ändert das nicht mein Wesen. Meine Neugier und Abenteuerlust sind ungebrochen. Mir fiel auch erst vor kurzem auf, dass ich mir viel zugemutet habe. Insofern dient dieser Beitrag nicht nur der Berichterstattung und eurer Unterhaltung, sondern auch meiner persönlichen Aufarbeitung. Ich werde in den kommenden Wochen vielleicht trotzdem mal einen Gang runterschalten. Mit meinen Entscheidungen bin ich jedoch im Reinen und nur das zählt letztendlich. Jedenfalls bin froh, wieder vieles machen zu können und z.B. wieder beidhändig schreiben zu können, wenn auch langsamer als zuvor. Mit diesem etwas lang geratenen Post dürfte ich das unter Beweis gestellt haben. :–D

Eine andere Alternative (Satire)

[überarbeitet]

Eine dunkle Bedrohung

Es sind schon turbulente Zeiten. Die Bundestagswahl rückt näher. Damit steigt unweigerlich die Spannung, welche zusammengeflickte Koalition diesmal dabei rauskommt, ob diese zur Abwechslung „lebensfähig“ und überhaupt demokratischer Natur sein wird….

Nachdem CDU-Chef Friedrich Merz wie eine Abrissbirne die Brandmauer mal eben zerstört haben soll und damit große Empörung auslöste, bemüht er sich nun händeringend und gleichzeitig selbstzufrieden um Schadensbegrenzung. Gleichwohl scheint er die dadurch erzeugte Aufmerksamkeit irgendwie zu genießen oder zumindest nicht allzu sehr darunter zu leiden. So zumindest mein Eindruck von seinen jüngsten Auftritten. Frei nach dem Motto: es gibt keine schlechte PR. Nicht unbedingt der klügste Schachzug, wenn man mich fragt.

Das schwache Glied in der Verteidigungslinie um den Erhalt von Demokratie und Freiheit, das ich vor kurzem in meinem letzten Beitrag prognostiziert habe, scheint damit unschwer ausgemacht. Überraschend kam es nicht. Vielen scheint es entfallen zu sein, aber die AfD wurde aus der rechten Hüftprothese Rippe der CDU geschaffen. Nun stellte Merz zuletzt ostentativ klar, dass es keine Zusammenarbeit mit der AfD geben wird. Ich möchte es ihm glauben.

Ich finde es übrigens grundsätzlich nicht schön, wenn jemand wie die Sau durchs Dorf getrieben wird. Merz hatte schon vor der Merkel-Ära viele Bewunderer innerhalb seiner Partei und das gewiss nicht ohne Grund. Auch finde ich nicht sonderlich viel Gefallen an der politischen Metapher der Brandmauer, denn diese trennt nicht nur räumliche Bereiche, sondern genau genommen Menschen von einander und zwar in nicht gerade konstruktiver Weise. Selbstschutz samt der Verteidigung der eigenen Werte und der bevorzugten Lebensweise ist zweifellos ein Naturrecht und somit sinnvoll und wichtig. Stigmatisierung von Personen oder Gruppen hingegen kontraproduktiv, denn es spaltet die Menschen.

Aber nun genug davon, schließlich reden wir von einem möglichen(!) Kanzler-Kandidaten als sei er bereits Bundeskanzler. Als seien die Bundestagswahlen kein heiliges Instrument unserer Demokratie, sondern bloß noch reine Formsache. Irgendwie traurig.

Herausforderung Meinungsaustausch

Anstatt sich im Wahlkampf alles Mögliche gegen den Kopf zu werfen und zu unterstellen, wäre echte Kommunikation der bessere Schlüssel. Es sollte in jeder Kontroverse, wie z.B. hier in der Migrations- und Asyldebatte, Raum für Dialoge blieben. Das Problem ist nur, dass es inmitten unserer Gesellschaft Menschen mit teilweise sehr extremen Geisteshaltungen und Ansichten gibt, die von einem gesitteten Meinungsaustausch rein gar nichts halten. Sie haben recht und alle anderen automatisch unrecht, nehmen sich mehr Freiheiten heraus als sie anderen zugestehen wollen, übertönen die Meinungen anderer lauthals oder möchten ihnen am liebsten gleich einen Maulkorb verpassen. Mit solchen Leuten ist es schwer zu verhandeln oder überhaupt erst zu reden, denn sie haben null Interesse, anderen fair oder auf Augenhöhe zu begegnen und auch kein offenes Ohr für Menschen, die ihre Meinung nicht blind und unkritisch teilen.

Gründe der gestörten Kommunikation

Gegenseitiger Respekt ist jedoch für einen fruchtbaren und ergebnisoffenen Meinungsaustausch und dem Erlangen eines gemeinsamen Konsenses unabdingbar. Der Diskussionsunfähigkeit oder besser gesagt Diskussionsunwilligkeit liegen meist psychische Probleme zugrunde. Solche Störungen hindern Betroffene oft auch daran, den eigenen Wertekompass zu überprüfen bzw. überprüfen zu wollen. Dieser bleibt möglichst unangetastet, denn das Problem sind immer nur die Anderen – nie man selbst. Vielmehr ist es aus ihrer Sicht ihr Gegenüber, welches schlicht dumm, ignorant, böswillig oder außerstande ist, über den Tellerrand hinauszusehen usw. Toleranz einschließlich Frustrationstoleranz scheinen ein neues Rekordtief in unserer Gesellschaft zu erreichen.

Mit Anfeindungen bezüglich meiner Haltung zu bestimmten sozialen oder politischen Themen und Entwicklungen hatte auch ich schon in der Vergangenheit zu kämpfen und das obwohl ich mit ihr weder sonderlich inflationär noch aggressiv hausiere. In solchen Diskussionen wurde mir ein Mitspracherecht entweder notlos abgesprochen oder nicht in vollem Umfang zuerkannt. Aus unterschiedlichen Motiven, die ich meist erst zu einem viel späteren Zeitpunkt begriffen habe. Manchmal eckt man sogar schon durch den Umstand an, dass man zu einem bestimmten Thema oder Sachverhalt überhaupt eine Meinung vertritt und hierzu bereits ein gewisses Wissensfundament aufgebaut hat. Oder einfach nur durch den Umstand, dass man ein bestimmtes Geschlecht hat oder einer anderen Ethnie entstammt. Alles schon erlebt. Aber mein Zug fährt weiter….

Mittlerweile überlege ich mir im Vorfeld jedenfalls genau, auf welche Debatte ich mich einlassen möchte und vor allem mit wem. Mit zunehmendem Alter und Reife lerne ich energiesparend zu wirtschaften und es sind mir nicht automatisch alle Themen wichtig, nur weil das ganze Land sie gerade diskutiert. Ehrlich gesagt, diskutiere ich über viele Themen lieber als über Politik, aber in diesen Tagen ist das nur schwer zu vermeiden. Das Verb debattieren bedeutet übrigens soviel wie verhandeln, erörtern oder streiten. Es wurde im Laufe der Zeit etwas weichgespült. Ursprünglich stammt es aus dem französischen Wort débattre (altfr. debatre), welches wiederum aus dem lateinischen battuere abgeleitet ist, das übersetzt nichts Geringeres als schlagen bedeutet. Man schlägt sich in einer Debatte genau genommen und zwar mit Worten. Aua!

Indiviudueller Geisteszustand ein Politikum?

Zurück zu den psychischen Problemen. Laut Statistischem Bundesamt haben mindestens 20 Prozent der Menschen in Deutschland welche. Dass es sie in der Gesellschaft gibt, haben wir längst akzeptiert. Es liegt mir fern, sie zu stigmatisieren, denn die meisten leiden leise und schaden anderen in ihrer Not nicht. Wer außerdem nie einen Tiefpunkt im Leben hatte, werfe den ersten Stein! Übertragen auf unsere Legislative ist diese Statistik jedoch etwas besorgniserregend. Denn von aktuell 733 Abgeordneten im Bundestag (wie groß soll das Ding denn noch werden?) sitzen, dieser Statistik zufolge, also rein theoretisch wohlgemerkt, mindestens 146 Menschen, die unter seelischen Problemen leiden. Die AfD hat gegenwärtig 76 Sitze; insofern kann man rechnerisch nicht behaupten, dass die problematischen Persönlichkeiten allesamt nur in dieser Fraktion zu verorten wären. Das muss man bei solchen Überlegungen fairerweise im Hinterkopf behalten.

Dies alles ist vor folgendem Hintergrund relevant: Die Volksvertreter einer modernen Demokratie sollten ausschließlich zum Wohle des Volkes handeln. Sie tragen damit viel Verantwortung. Im Sinne einer verantwortungsbewussten Entscheidungsfindung sollten sie also – im Idealfall – mental entsprechend solide und gesund aufgestellt sein und nicht etwa labil sein, psychische Störungen aufweisen und ihr Urteilsvermögen von persönlichen Befindlichkeiten oder egoistischen Bestrebungen abhängig machen. Was ich fordere, ist natürlich absolut unrealistisch, aber ich möchte meinen Gedankengang dennoch gerne fortführen.

Option 1: prüfen

Bundestagsabgeordnete (MdB) sind offiziell nur ihrem eigenen Gewissen unterworfen. Da wäre es doch nicht verwerflich als Bürger freundlich nachzuhaken, wie es um dieses denn so bestellt ist. Eine Idee, um diesem Anspruch an einen normalen psychischen Gesundheitszustand gerecht zu werden, welcher eigentlich nur ein Mindestanspruch angesichts der Diäten und beachtlichen Aufwandsentschädigungen der Abgeordneten ist, wäre es, diese vor ihrem Einzug ins Parlament einer eingehenden psychologischen Begutachtung zu unterziehen. Quasi als letzte Schranke. Soviel Zeit sollte doch sein! Piloten werden schließlich auch psychologisch getestet und die tragen nicht die Verantwortung über 80 Mio. Menschen. Vereinzelt wird die Psychologie der MdBs wissenschaftlich diskutiert, aber das Ganze wäre noch ausbaufähig.

Option 2: ersetzen

Als Fan des Science-Fiction drängt sich mir jedoch ein ganz anderer Lösungsansatz auf: KI. Die Künstliche Intelligenz ist derzeit bekanntlich überall auf dem Vormarsch und erobert immer mehr Anwendungsgebiete. Und das nicht nur fiktiv, sondern ganz und gar real. Da frage ich mich, könnten wir nicht einfach eine KI mit unseren Werten und Idealen füttern und trainieren, sie regelmäßig dahingehend updaten und ihr die Regierung Deutschlands überantworten, sodass sie Entscheidungen zu unserem Wohle trifft? Absurd? Warum? Die meisten Abgeordneten und Minister kenne ich schließlich auch nicht persönlich. Wenn ich Fremden blind vertrauen soll, warum dann nicht ebenso gut einer KI? Vielleicht könnte eine solche diese Aufgabe ja besser erfüllen als so mancher Mensch….

Viel Freude beim Kopfkino! Und gern geschehen. ;–) In wenigen Wochen sind wir hoffentlich schlauer. Lasst Euch möglichst nicht verklaven! Weder von Menschen, noch von Maschinen….

Let’s talk about Klingons

Am 22. November 2024 besuchte ich in sehr angenehmer Gesellschaft zum keine Ahnung wievielten Mal den traditionellen Star-Trek-Vortrag von Dr. Hubert Zitt im Planetarium Mannheim. Ich habe längst aufgehört meine Besuche zu zählen…. Diesjähriges Thema: „Klingonen – Wer sie sind und woher ihre Sprache kommt“. Als Star-Trek-Fan war meine Vorfreude natürlich riesig!

Nach einer interessanten deutschsprachigen Einleitung über die temperamentvolle Alienrasse, überließ Zitt keinem geringeren als dem Erfinder der klingonischen Sprache, dem Linguisten Dr. Marc Okrand höchstpersönlich das Wort. Mit diesem besonderen Gast im „Gepäck“ übertraf Zitt sich selbst.

Okrand bot im Rahmen seines ausführlichen und englischsprachigen Vortrags spannende Einblicke in die Entstehungsgeschichte und die Entwicklung seiner Aliensprache. Im Anschluss gab es noch die Möglichkeit, entspannt mit ihm ein paar Worte zu wechseln und Bilder zu machen. Ich habe mir ein Lexikon von Okrand signieren lassen. Dabei ignorierte ich meine innere Stimme, mich bloß nicht zu blamieren und bedankte mich schließlich brav auf Klingonisch bei ihm. Er sowie einige Fans in Hörreichweite fanden’s offenbar lustig. Vielleicht lag es aber auch nur an meiner Intonation… :–D Aber wann bitteschön hat man denn die Gelegenheit, mit dem Vater der klingonischen Sprache Klingonisch zu reden?

Die Veranstaltung war komplett ausgebucht. Neben Science-Fiction-Fans, kamen einige Cosplayer in beeindruckenden Kostümen. Auch der deutsche Experte der klingonischen Sprache, Lieven L. Litaer, war erschienen. Und erstmals gab es einen Verkaufsstand mit einer tollen Auswahl an Merchandising-Produkten im Foyer, sodass sich die Veranstaltung fast schon wie eine kleine Mini-Con anfühlte. Ein insgesamt gelungener und unvergesslicher Abend! Ein dickes Dankeschön an die Organisatoren!

Was soll ich dazu noch groß sagen? – Mehr davon!

Abschließend einige Eindrücke in Farbe:

Dr. Marc Okrand (Mitte) und Dr. Hubert Zitt (rechts)
Dr. Marc Okrand — Schnappschuss: Melinda M.
Meine Bodyguards :–)
Das klingonische Emblem zierte an diesem Abend die Planetariumskuppel
Floyer des Planetariums

(Quelle Beitragsbild: Wikipedia)

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