Das Rätsel von Hellinikon

Reise an einen Ort, wo die Zeit aus den Fugen gerät

Es gibt Orte, die findet man nicht in den glanzvollen Hochglanz-Prospekten der Reisebüros. Man findet sie eher durch Zufall, versteckt in der kargen Landschaft der Argolis auf dem Peloponnes. Einer dieser Orte ist die Pyramide von Hellinikon – ein Bauwerk, das mich bei meinem Besuch an einem warmen Sommerabend völlig in seinen Bann gezogen hat.

​Der Moment meiner Entdeckung

Gemeinsam mit zwei Familienangehörigen näherte ich mich diesem unscheinbaren Hügel. Ich hatte eine Mischung aus Neugier und fast kindlicher Aufregung im Bauch. Und dann, plötzlich, schälte sie sich aus der Landschaft heraus: Diese unverkennbare, geometrische Struktur. Es ist kein gewöhnlicher Steinhaufen; es ist eine bewusste, monumentale Form, die dort seit Jahrtausenden der Schwerkraft trotzt.

​Was mich sofort faszinierte: Nur ein unscheinbares Schild, ein dünner Zaun, keine Wachen, kein Kassenhäuschen. Wir waren völlig allein. Niemanden schien es zu interessieren, wer kommt und geht. Wir umrundeten die Anlage, ließen die Blicke über die bündigen Kanten schweifen und inspizierten jeden Winkel. Ich stand davor und fragte mich ungläubig: Wie halten diese riesigen, polygonalen Blöcke ohne einen Tropfen Mörtel so perfekt zusammen?

Die Wärme der Geschichte

Ich konnte nicht anders, als die Steine zu berühren. Es ist eine instinktive Reaktion – man möchte die Form mit den Händen begreifen, die Textur des uralten Kalksteins spüren. An jenem Nachmittag waren die Mauern regelrecht aufgeladen von der Sonne. Sie gaben eine sanfte, beruhigende Wärme ab, als hätten sie den ganzen Tag lang Energie gesammelt, um sie nun in der Stille des frühen Abends an mich weiterzugeben. In diesem Moment fühlte sich die Pyramide für mich nicht wie ein kaltes Monument an, sondern wie etwas beinahe Lebendiges.

Ein architektonischer Krimi

Als ich später einem befreundeten Architekten aus Athen meine Fotos zeigte, war er verblüfft. Er kannte den Ort nicht einmal, aber sein geschulter Blick blieb sofort am Eingang hängen. „Das sieht aus wie ein monumentales Grabmal“, meinte er sofort. Tatsächlich erinnert die Architektur mit ihren nach innen geneigten Wänden an die prunkvollen Kuppelgräber der mykenischen Könige.

​Doch die klassische Archäologie setzt auf eine nüchterne, strategische Erklärung: Ein Wachturm an der Route zwischen Argos und Tegea. Wer diese Strecke kontrollierte, kontrollierte den Puls der Region. War dieses Bauwerk also nur ein funktionaler Posten an einer lebenswichtigen Verkehrsader?

Wenn die Wissenschaft sich streitet

Besonders spannend fand ich die wissenschaftliche Kontroverse hinter den Mauern:

  • Die Sensation: Forscher datierten die Steinoberflächen auf ca. 2720 v. Chr. Das würde bedeuten, diese kleine Pyramide wäre älter als die Große Pyramide von Gizeh!
  • Das Veto: Andere Archäologen widersprechen und fanden im Fundament Tonscherben aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Für sie ist der Bau „nur“ 2.400 Jahre alt.

​Mein Sprung durch die Zeit

Der intensivste Moment war, als ich durch das Eingangstor trat und dem schmalen Korridor ins Innere folgte. Wir alle waren zuerst zögerlich – man spürt an so einem Ort eine unbewusste Ehrfurcht. Doch dann standen wir vor einer inneren Mauer, die den Weg versperrte.

​Nach einem kurzen Zögern siegte meine Neugier endgültig: Mit einem entschlossenen, sportlichen Sprung bin ich über die Mauer gehüpft und direkt im quadratischen Hauptraum gelandet. In diesem Augenblick passierte etwas mit mir. Ich stand dort mittendrin, umschlossen von massiven Mauern, die nach oben hin den Blick in den griechischen Abendhimmel freigaben. Es fühlte sich an wie eine Zeitreise. Zwar war der Raum zum Himmel hin offen, doch statt Lärm drang nur eine tiefe, fast ehrfürchtige Stille herab, als würde die Welt da draußem in diesem Moment gar nicht existieren. Obwohl der Raum nach oben offen war, drang kein Lärm nach innen – nur eine tiefe, fast ehrfürchtige Stille, als wäre die Welt außerhalb dieser Mauern in Vergessenheit geraten.

​Mein Fazit: Ein Ort für stille Fragen

Wer die Pyramide von Hellinikon besucht, findet keine endgültigen Antworten. Ich habe dort etwas Besseres gefunden: Eine unmittelbare, ungestörte Verbindung zur Geschichte. Ich saß dort, während die Schatten länger wurden, die Hand auf dem warmen Stein, und genoss einen kleinen, friedlichen Moment in der Unendlichkeit der Zeit.

​Heute, während draußen der kalte Winterwind um die Häuser zieht und die Welt vielerorts aus den Fugen gerät, denke ich besonders oft an diesen Nachmittag zurück. Auch wenn mein Trip schon ein paar Jahre her ist, reicht ein kurzer Gedanke an das warme Leuchten dieser soliden Steine aus, um mich sofort wieder in dieses Abenteuer zurückzuversetzen. Es ist einer meiner inneren Rückzugsorte, wenn ich mich nach ein bisschen Sommer und dem Staunen über die Geheimnisse der Welt sehne.

Lost Place: Geisterschiff „Dimitrios“

Während ich gerade in Griechenland unterwegs bin und nach neuer Inspiration suche, musste ich vor kurzem an einen besonderen Ausflug denken, den ich im Spätsommer vor zwei Jahren unternommen habe: meinen Besuch in Gytheio auf Peloponnes.

Gytheio (Griechenland, Peloponnes)

Der griechische Küstenort verfügt über eine traumhaft schöne Bucht, deren Anblick jedoch von einem rostigen Albtraum jäh durchbrochen wird: dem Schiffswrack „Dimitrios“ , welches seit dem Jahr 1981 dort ruht und surreal anmutet. Es ranken sich verschiedene Mythen rund um das Schiff, seine Fracht, den Eigner und die Strandung. Ein Bekannter aus einer nicht weit entfernten Gemeinde erzählte mir damals, es sei wahrscheinlich für Zigarettenschmuggel genutzt worden. Der damalige Kapitän sei angeblich erkrankt. Auch von Brandstiftung zwecks Verschleierung der Fracht bzw. Vernichtung von Beweisen ist die Rede. Dann wiederum soll ein technischer Defekt vorgelegen haben. Welche dieser Gerüchte stimmen und welche nicht, bleibt unklar. Es ist fast so als würde das Meer nicht nur die Substanz des Schiffes, sondern auch die Wahrheit wegspülen.

Aber ich möchte zur Abwechslung mal nicht allzu viele Worte verlieren, sondern lieber meine Aufnahmen sprechen lassen. Nur so viel: wer auf Peloponnes unterwegs ist und die Möglichkeit hat, sollte diesen besonderen Ort unbedingt besuchen. Aber was die Dimitrios angeht, besser nur gucken! Vermutlich muss ich das den meisten unter euch nicht explizit sagen, aber von Nachahmung des folgenden Videos rate ich dringend ab! Einsturzgefahr. Das Wrack ist nicht gesichert. Die zuständigen Behörden haben es einfach der Natur überantwortet und scheren sich nicht sonderlich darum. Aber nichtsdestotrotz ein sehr faszinierender lost place.

Besichtigung des Schiffswracks „Dimitrios“ bei Gytheio, Griechenland

Pech-Thread

Wenn das Brot immer nur auf die Butterseite fällt, ist man womöglich verflucht! Zurzeit plagt mich eine Pechsträhne, die irgendwie nicht abreißen will. Deshalb habe ich entschieden, den Titel dieses Beitrags abzuändern und werde ihn updaten, solange bis Ruhe einkehrt.

Pleite Nr. 1

Gestern, am 27.06.2024 kam von der Reederei eine Nachricht, dass die von mir gebuchte Überfahrt von Italien nach Griechenland für diesem Sommer nicht wie geplant in Patras endet, sondern schon früher in Igoumenitsa. Wer mich ein bisschen kennt weiß: das hat mich maximal genervt…..

Würde ich als Konsequenz auf einen anderen Termin ausweichen, müsste ich mit meiner Begleitung mit Luftmatratze und Schlafsack auf dem Gang schlafen, da um den Anreisezeitraum alle Kabinen ausgebucht sind. Früher als Jugendliche fand ich die Deckpassage abenteuerlich. Bei klarem Sternenhimmel und Wind um die Nase war ich sogar happy. Eine kleine Anekdote habe ich euch hier bereits erzählt. Meine letzte Überfahrt auf dieser Route liegt mittlerweile aber viele Jahre zurück. Deckpassage kommt für mich heute nicht mehr in Frage. Ich bin nicht mehr die Jüngste und meine Knochen stecken eine Übernachtung auf dem Boden nicht mehr so gut weg. Nach einer rund zehnstündigen Autofahrt über die Schweiz möchte ich anschließend doch lieber in ein Bett fallen. Frühzeitig hatte ich mir daher eine Außenkabine gesichert.

Und nun das. Ich wurde automatisch auf die geänderte Route umgebucht. Wahrscheinlich werde ich das so akzeptieren und mich um eine Teilerstattung bemühen. Das besonders Unerfreuliche an der Sache ist, dass ich nach der Ankunft in Igoumenitsa noch ca. 500 km bis zum Ziel fahren muss, was mindest 4 ½ Stunden Fahrt bedeutet. Zum Vergleich: ab Patras wären es nur 2 Stunden auf moderner Autobahn gewesen. Auf Google Maps sieht das für mich nach einer „romantische“ Strecke aus…. Im Klartext bedeutet das ewiges und zermürbendes Gegurke die Küste entlang. Ich bilde mir ein, bereits die schlimmsten Serpentinen in Griechenland gefahren zu sein und meistere zu meiner eigenen Verblüffung selbst ungesicherte Haarnadelkurven über steilen Klippen souverän mit Gottvertrauen, sinnvollem Fahr- und Bremsverhalten und ruhigem Puls. Insofern wäre das schon machbar, aber…

Pleite Nr. 2

Heute, am 28.06. folgte dann gleich die nächste Hiobsbotschaft auf den Fuß. Früh morgens habe ich das Auto, mit dem ich die Reise plane, in der Werkstatt zur Diagnose abgeben lassen, weil aus dem Motorraum seit einiger Zeit ein leises pfeiffendes Geräusch kommt, das angesichts der geplanten Reise nicht mehr ignoriert werden kann. Ergebnis: Der Turbolader ist scheinbar defekt. Der Kfz-Mechaniker aus der Vertragswerkstatt riet mir dringend davon, damit eine längere Reise anzutreten. Der Austausch kostet schätzungsweise zwischen 2000 und 2500 Euro. Da musste ich erstmal schlucken….

Eine Pechsträhne?

Dies sind nur die jüngsten bad news. Seit Frühjahr letzten Jahres läuft, selbst bei wohlwollender Betrachtung, nichts so wie es soll. Meine Wurzeln habe ich in Griechenland. Da glauben viele Leute noch an den „bösen Blick“ (κακό μάτι). Die Wissenschaftlerin in mir kann es sich jedoch nicht leisten, sich mit Parapsychologie aufzuhalten, auch wenn ich z.B. Geistergeschichten mag.

Die Probleme, die sich aber gerade im Diesseits kumulieren, sind jedenfalls nicht mit irgendwelchen Beschwörungsformeln effektiv abzuwenden, sondern aller Voraussicht nach nur mit Geld und extrastarken Nerven! Also werde ich mich zu dem Problem ins Internet, die Dringlichkeit eines Austauschen erwägen, über Alternativen wie Reparatur recherchieren, mir ggf. eine zweite Meinung einholen um zu klären, ob tatsächlich der Turblader selbst defekt ist oder womöglich andere Bauteile in seiner Umgebung die Störungen verursachen. Ich hoffe, dass ich das Thema aufschieben kann und falls nicht, den Schaden etwas preisgünstiger beheben lassen kann als veranschlagt.

Denn ich habe keine Lust, im Gotthardtunnel liegen zu bleiben oder am Korinthischen Golf bei 38°C. Wenn ich hier mit allem durch bin, bin ich vermutlich selbst eine Expertin für Turbolader. :–D Wenn — und das ist ein großen Wenn — alles klappt und ich die Reise antreten kann, möchte ich mich schlau machen, was es bei Igoumenitsa Interessantes zu erkunden gibt. So könnte ich aus dem Ärgernis wenigsten etwas Positives rausschlagen.

Bei all dem Pech rund um den Sommerurlaub bleibt mir nur eines übrig: herzhaft darüber lachen und guter Dinge bleiben.

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Update vom 28.06. Pleite Nr. 3

Der Fahrstuhl war heute zudem außer Betrieb. Also echt jetzt….ich kann mich nicht daran erinnern, in letzter Zeit einen Spiegel zerbrochen zu haben.

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Update vom 30.06 Pleite Nr. 4:

Starkregen + beschlagene Frontscheibe + Stress + Bordsteinkante + Kurve verschätzt = geplatzter Reifen.

Das ist mir auch noch nicht passiert und hat meinem Herzen mindestens so wehgetan wie meinem armen Reifen, zumal der gesamte Satz Felgen vor erst einer Woche neu aufgezogen wurde und nicht billig war. Mangels Wagenheber musste der gelbe Engel ausrücken. Der schaute in Anbetracht des Risses im neuen Reifen genauso mitleidig aus der Wäsche wie ich und bekam ein Trinkgeld, weil er flott und höflich war und ich ihm angesichts dieses verregneten Sonntags meine Wertschätzung zukommen lassen wollte.

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