Faszination Tango-Community – Teil 3

La Ronda - AI-created

Tango-Community als Religionsgemeinschaft

Stellt man auf Zielsetzung und Konsens einer Gruppe ab, sind – auf den Tango angewandt – wir Tangotänzer und -begeisterte uns im kleinsten Nenner darin einig, dass dieser *Trommelwirbel* schlicht im Tango besteht. :–) Gemeint ist insbesondere das Teilen der Begeisterung, also das Tangotanzen sowie das Schaffen und Hören von Tangomusik. Tango wird von uns munter gefeiert und kultiviert. Arme und Reiche tanzen miteinander. Faschisten und Humanisten liegen sich in den Armen. Ebenso Akademiker, Arbeiter sowie Erwerbslose. Jeder mit jedem. In der Abrazo spielt das alles keine Rolle. Als entstünde in oder besser ausgedrückt mit der Umarmung eine neue Dimension. Dort angelangt, zählt nur das Gefühl an sich, das Gefühl, mit diesem anderen Menschen physisch und seelisch zu verschmelzen, selbst wenn es nur für 12 Minuten ist. Dieses tiefe Bedürfnis nach Zusammengehörigkeit geht weit über die profanen weltlichen Kategorien hinaus, über die sich die Menschen ansonsten gerne definieren oder zanken. Pure Gravitation….

Des Weiteren besteht gemeinhin Einigkeit darüber, dass Tango Argentino nicht allein im Verborgenen, sondern nur in einer Gemeinschaft adäquat und frei gelebt werden kann. Für sich allein kann man zwar Technik üben und perfektionieren, aber Tango tanzt man erst, wenn man ihn in einvernehmlicher(!) Umarmung gemeinsam tanzt.

Vorzugsweise möchten wir ihn zwar in Salons ausleben, die geradezu wie religiöse Tempel fungieren. In der Tangodimension fungieren sie ein bisschen als Kirchen, d.h. sowohl institutionell als auch physikalisch. Prächtige Räume und Säle mit Symbolcharakter laden den Betrachter regelrecht ein einzutreten und suggerieren ihm zugleich, dass Sinnerfüllung und Akzeptanz dort auf ihn wartet. Das ist an sich reizvoll. Und keine Sorge, natürlich rennt da niemand mit Weihrauch herum. Aber einen gewissen Kult in Form von Riten und Gepflogenheiten gibt es da durchaus. Und gepredigt wird auch munter und in jeder Ecke – vor allem viel Nonsens während der Tanzpausen. Das gehört zum guten Ton.

Die aufmerksamen Leser unter Euch ahnen vielleicht schon, worauf ich hinaus will. Am ehesten lässt sich der Tango mit dem Christentum vergleichen. Das Christentum hat zwar nicht das Patent einer Definition von Gemeinschaft generell inne, aber bei der Definition einer Tango-Community samt ihren Kriterien durchaus und zwar vor folgendem Hintergrund:

Da Tango sich in christlichen Kulturkreisen entwickelt hat und diese Religion –neben dem griechisch-römischen Wertesystem des Humanismus – stark das gesellschaftliche und rechtliche Ordnung mitprägte und bis heute prägt, ist es nur legitim und folgerichtig, die Frage, ab wann eine Tango-Community als soche besteht und welche Kriterien sie auszeichnet, anhand christlicher Maßstäbe zu beurteilen und befriedigend zu klären. Dass der Tango in seinen Anfängen auch anderen kulturellen Einflüssen unterlag und heute in fast allen Kulturkreisen gelebt wird, soll durch die nachfolgenden Überlegungen keineswegs in Abrede gestellt werden. Hier geht es lediglich um die Frage nach der Natur und Organisation der Tango-Community. Und das Christentum ist ihrer Bezeichnung unstreitig inhärent:

Nenne mir ein Wort und ich beweise dir, dass sein Ursprung griechisch ist! :–)

Die frühen Christen definierten sich stark über die Vorstellung einer Gemeinschaft. Auch über größere Distanzen betrieben sie Networking, verbreiteten die Frohe Botschaft und die Geistlichen schrieben sich fleißig Briefe. Auch lange vor dem Computerzeitalter wurde munter gechattet, getwittert bzw. geXt, wenn man so will. (Was war eigentlich an „Twitter“ so falsch, Elon?) Der altgriechische Begriff „κοινωνία“, von dem der lateinische Wort cummonio sowie auch die englische community ableitet ist, enthält den Wortstamm „κοιν“, der soviel bedeutet wie „das, was man gemeinsam hat“.

Ausgangspunkt und zentrale Figur der christlichen Gemeinschaft ist, wenig überraschend, Jesus Christus und das Wort. Das Neue Testament bietet genau betrachtet drei Methoden um die christliche Gemeinschaft zu definieren:

  • Die „christliche Bedeutung“ bezieht sich auf Jesus Christus, beruft zur Geschwisterlichkeit mit dem Sohn Gottes ein, seinem Leib und Blut sowie die Anteilnahme an seinem Leid usw.
  • Die „pneumatologische Bedeutung“ konzentriert sich auf den Heiligen Geist. Die Gläubigen haben Anteil an der Natur Gottes, an der Gemeinschaft des Geistes usw.
  • Die „ekklesiologische Bedeutung“ definiert die Gemeinschaft mit der Kirche, also die Gemeinschaft der Gläubigen in Christus, die Brüder, die miteinander verschiedene Güter teilen, die gemeinschaftlichen Werke christlicher Solidarität, der Dienst des Apostels in den verschiedenen Gemeinden. Sie bildet die sozialen und rechtlichen Grundlagen für Zusammenleben der Gläubigen, für Hierarchie und Gesetzgebung.

Im Laufe der Zeit rückte die ekklesiologische Bedeutung in den Vordergrund. Insbesondere im Mittelalter.

Vergleichend auf den Tango angewandt, tritt Tango an die Stelle von Gott, Jesus und dem Heiligen Geist. Der Unterschied ist lediglich, dass hierbei kein vertikales Verhältnis besteht. Wir Tangogläubige warten insofern nicht auf Erlösung von oben, sondern erlösen uns in unserem Begehren quasi instanzlos gegenseitig, also in einem horizontalen Verhältnis. Gib mir deinen Tango – ich gebe dir meinen. Auf dem Parkett, wohlgemerkt. Es laufen unablässig Deals, wenn man es mal ganz nüchtern und unromantisch betrachtet.

Mindestzahl einer Community?

Um die Eingangsfrage zu klären, wieviele Tangotänzer es nun bedarf, um sich als Tango-Community zu qualifizieren und damit auch die Frage, ob nur zwei Menschen eine Milonga stemmen können, richtet sich in diesem Gedankenmodell schlicht danach, ab welcher Personenzahl von einer christlichen Gemeinschaft die Rede sein kann.

Unstreitig besteht sie aus mehr als nur einer Person. Aber fragen wir doch am besten mal Jesus selbst! Wenn wir sein Agieren und Reden im Neuen Testament als Referenz in die vorliegenden Überlegungen hinzuziehen, hat er seine göttliche Botschaft mit mehr als nur einem einzelnen Menschen geteilt, nämlich mit seinen zwölf Jüngern, denen er liebevoll-fürsorglich auf Augenhöhe begegnete. Laut Matthäus ist folgende Aussage Jesu überliefert, die eine hinreichend klare Antwort liefert:

„Πάλιν [ἀμὴν] λέγω ὑμῖν ὅτι ἐὰν δύο συμφωνήσωσιν ἐξ ὑμῶν ἐπὶ τῆς γῆς περὶ παντὸς πράγματος οὗ ἐὰν αἰτήσωνται, γενήσεται αὐτοῖς παρὰ τοῦ πατρός μου τοῦ ἐν οὐρανοῖς. 20οὗ γάρ εἰσιν δύο ἢ τρεῖς συνηγμένοι εἰς τὸ ἐμὸν ὄνομα, ἐκεῖ εἰμι ἐν μέσῳ αὐτῶν.“

Zu Deutsch: „Weiter sage ich euch, wenn zwei von euch auf Erden übereinkommen über irgendeine Sache, für die sie bitten wollen, so soll sie ihnen zuteilwerden von meinem Vater im Himmel. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in ihrer Mitte.“ – Matthäus 18:19-20

Die Sachlage ist glasklar. Es genügen folglich zwei Menschen, um eine Gemeinschaft im christlichen Sinne zu bilden.

Von einer physikalischen Kirche spricht Jesus übrigens nicht. Auf den Tango übertragen, kann dieser also ebenso gut in einem tristen Keller, im Park, am Strand oder im heimischen Wohnzimmer praktiziert werden. Der Austausch von Gedanken, Informationen und Gemütszuständen in einer Begegnungsstätte, an der man mehrere seinesgleichen vorfindet, ist zwar fruchtbarer, lebendiger und meist auch gelenkschonender als etwa ein gewöhnlicher Straßenasphalt. Aber faktisch genügen zwei „gläubige“ Seelen + der Wille Tango zu tanzen.

Eins und eins

Wo also zwei ihn miteinander tanzen, dort ist bereits eine kleine Tango-Community existent. Eine Kleinsteinheit, wenn man so will. Folgerichtig können diese zwei Menschen in dem eingehenden Gedankenspiel zweifelsohne – ohne weitere Gäste – die Milonga erfolgreich bis zum Ende stemmen, sofern sie es denn wollen, die Veranstalter nicht vorzeitig den Abend beenden oder der TDJ aus lauter Frust das Handtuch wirft. :–D

Und wenn diese beiden, gemäß den üblichen Gepflogenheiten, Tango in konzentrischen Bahnen gegen den Uhrzeigersinn tanzen, bilden sie auch fraglos eine Ronda, ungeachtet der Frage, ob diese überhaupt originär zwingend erforderlich ist. Schließlich hat die Ronda-Ordnung ihren Ursprung im Wiener Walzer, aber dies soll im vorliegenden Gedankenspiel keine Rolle spielen.

Und ich persönlich würde da noch einen Schritt weitergehen: Selbst wenn keiner der beiden Tänzer je zuvor Tango getanzt hat, könnten sie ihn folgerichtig spontan tanzen. Das hypothetische Tanzpaar tauft sich gewissermaßen gegenseitig und führt sich somit die Gemeinschaft ein bzw. begründet eine kleine Satelliten-Kommune. Denn grundsätzlich genügt es, wenn sie zur Musik gemeinsam gehen. Zwei Seelen – ein Körper – vier Beine. Einfachstes Tango-ABC. Ob sie in Zukunft tiefer in die Tangodimension eintauchen und sich ein breiteres Wissen aneignen, ist ihnen überlassen. Aber wenn sie Tango tanzen wollen und sich von der Musik getragen fühlen, sind sie zumindest für diesen Moment per definitionem Tangotänzer. Und zwar nicht mehr oder weniger als ein Meisterpaar. Mit exakt derselben Berechtigung(!), auch wenn Meistern in der Ronda aus lauter übertriebener Demut vor ihrem Können oft Vorfahrt gewährt wird oder sogar Rücksichtslosigkeiten nachgesehen wird. Dies gewährleistet die anarchistische Natur, die, wie in Teil 2 erläutert, dem Tango innewohnt.

Denn im Grunde läuft im Tango alles völlig instanzlos ab. Das ist eine Tatsache. In Abrede gestellt wird diese meist nur von anmaßenden Personen, die sich in einem besonderen Status innerhalb der Community wähnen und sich als eine tragende Säule verstehen. In Wahrheit stehen die Türen jedoch jedem jederzeit offen und zwar in beide Richtungen. Man kann eintreten und ungehindert wieder aussteigen. Tango ist keine repressive Sekte oder Ähnliches. Exkommuniziert wird da auch niemand. Und sanktioniert wird man für seinen Rückzug allenfalls durch Nicht(mehr)beachtung durch die Anderen. Kehrt man nach einer Auszeit wieder zurück, ist man in der Regel wieder willkommen. Wie ich schon im Beitrag „Milonga — Nein danke“ geschildert habe, sind Tangotänzer oft wie Kinder auf einem Spielplatz. Insofern auch nicht besonders nachtragend, was eine zeitweilige Abkehr anbelangt. Das kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen.

Pflichten innerhalb der Community

Die Community ähnelt organisatorisch also dem Modell einer christlichen Glaubensgemeinschaft, die im Idealfall von Zuneigung und Nächstenliebe getragen ist oder sein sollte. Mangels echter Gottheit ist der Tango in seinen Inhalten jedoch vielmehr mit einer philosophischen Strömung zu vergleichen. Welchen Sinn und welche konkrete Werte man in ihm erblickt, wurde jedoch von keinem „Hohen Tangorat“ festgelegt. Darüber können und sollen sich die Mitglieder stets eigene Gedanken machen, um im regen Austausch miteinander den bestehenden Konsens zu wahren und nach Bedarf zu formen.

Auch wenn man mit Tango nichts zutun hat oder haben möchte, was völlig legitim ist und das Portmonnaie sowie das persönliche Zeitkonto übrigens enorm schont, so kann kann und darf niemand die kulturelle Bedeutung des Tango für die Menschheit leugnen, zumindest nicht ohne sich lächerlich zu machen. Tangomusik etwa gilt als die meistgespielte Musik des 20 Jahrhunderts. Mithin gehört Tango Argentino seit 2009 zum UNESCO Immateriellen Kulturerbe der Menschheit (Representative List of the Intangible Cultural Heritage of Humanity) und ist somit schützenswertes Kulturgut. Begründet wurde dies damit, dass er den Geist seiner Gemeinschaft auf der ganzen Welt verbreite, auch wenn er sich an neue Umgebungen und sich ändernde Zeiten anpasst.

Wenn Tangopraktizierende schon einen „Geist“ oder, um die Worte besser zu interpretieren, eine Art höhere Weisheit im Tango erblicken wollen, kann sich die Gemeinschaft nicht auf bloßes Gruppenkuscheln beschränken, sondern ist sogar zu ihrem aktiven Schutz berufen. Sonst wären Milongas beispielsweise nichts weiter als bedeutungslose und hedonistische Tanzorgien.

Liebe deinen nächsten…Tänzer!

Um also den Vergleich zur christlichen Gemeinschaft konsequent fortzuführen, ist bekanntlich Teil des göttlichen Auftrags an den einzelnen Gläubigen die Verbreitung des Evangeliums. Übertragen auf den Tango bedeutet dies, dass es die heilige Pflicht eines jeden Mitglieds ist, den Tango nicht nur heimlich und somit geizig im Verborgenen zu leben, sondern seinen Mittänzern mit Offenheit und Wohlwollen zu begegnen. In der Community geht es um gemeinsame Freude, Integration, Achtsamkeit und Solidarität. Jeder möchte gesehen und gewertschätzt werden — folgerichtig sollte niemand andere unbeachtet auf der Strecke zurücklassen. Wer nur darauf bedacht ist, seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und sein Ego anhand der Anderen zu regulieren und aufzuwerten, agiert folglich unsozial. Sozial ist man nämlich, entgegen eines weitverbreiteten Irrtums nicht etwa, weil man so gerne in der Menschenmenge badet oder sich für seinen Tanzstil oder seine schöne Mode bewundern lässt. Dazu bedarf es weiterer Qualitäten wie Geduld, Eleganz (als innere Geisteshaltung) und Mitgefühl. Eine empathische und pflichtbewusste Tanguera registriert es beispielsweise, wenn andere Damen sich unbetanzt und enttäuscht den Hintern plattsitzen. Sofern sie mit ihrem Tanzpartner nicht liiert ist, zieht sie rechtzeitig einen Schlussstrich und gibt diesen nach zwei oder spätestens drei Tandas wieder frei. Oder anderes Beispiel: einem eleganten Tanguero ist es nicht egal, ob andere Gäste leiden; er bemüht sich, auch Anfängerinnen und Neuankömmlingen der lokalen Gemeinschaft zu integrieren, insbesondere wenn auf der Milonga sichtlich Not am Mann ist.

Ein Tänzer, der mehrere Tandas hintereinander nur mit einer und derselben Tänzerin tanzt, fällt früher oder später negativ auf und ist für mich persönlich im Grunde schon aus diesem Grund uninteressant. Völlig egal, wie gut er tanzt. Solche Egoisten haben weder Liebe (agape) im Herzen noch den Sinn von Tango verstanden bzw. verstehen wollen. Viel zu lernen sie noch haben! Leider beobachte ich in meiner Community immer wieder solche Tänzerinnen und Tänzer, die grob fahrlässig bis ignorant solche Verhaltensweisen an den Tag legen und damit negative Wellen erzeugen. Ausschließen kann man solche Mitglieder natürlich nicht, aber man kann ihr schlechtes Beispiel zumindest mit gutem ausgleichen.

Liebe ebenso deinen nächsten Nicht-Tänzer!

Das innerhalb der Community angestrebte Wohlwollen umfasst logisch auch, Nicht-Tangotänzer aktiv einzuladen, ihr Herz für diese Welt zu öffnen und sie zu interessieren. Gleichwohl aber sollte man Toleranz gegenüber Menschen an den Tag legen, die trotz einer solchen Einladung nichts mit Tango zutun haben wollen oder aufgrund von Einschränkungen nicht daran teilhaben können. Auch andere Menschen verfolgen spannende Interessen und verfügen über bewundernswerte Talente, die ein genaueres Augenmerk verdienen. Eine Frage des Respekts und der Demut.

Grundsätzlich ist es jedenfalls sinnvoll und angezeigt, wenigstens ab und zu mal den Keller oder das Wohnzimmer zu verlassen, um sich mit anderen Gläubigen oder Interessenten auszutauschen. Denn lebt man Tango nur geheim zu zweit, gibt man dessen Botschaften im Grunde nicht weiter. So erfahren die Menschen nichts von dem Glückspotenzial, welches der Tango birgt. Darüberhinaus verkäme die propagierte soziale Komponente des Tangos zu einer hohlen Phrase und ein bedeutungsvolles Kulturgut der Menschheit würde zum Aussterben verurteilt. Denn Tango lebt und stirbt folgerichtig mit seinen Anhängern.

Amen :–P

Wanted!

Eines gleich mal vorweg: wir sind hier nicht im Wilden Westen! Zumindest glaubte ich das, bis jemand kam und meine „Kutsche“ beschädigte, aber eins nach dem anderen.

Schock, Irritation, Selbstvorwürfe, Angst, paranoide Gedanken, Schlaflosigkeit… So ergeht es tagtäglich Opfern von Kriminalität. Diese Kaskade unbehaglicher Emotionen, die durch ein traumatisierendes Schadensereignis unvermittelt losgetreten wird, habe ich am 3. Oktober auf unangenehme Weise selbst zu spüren bekommen und wirkt – zumindest teilweise – noch heute fort. Davor bewahren mich auch meine Fachkenntnisse nicht bzw. nur geringfügig.

For some context: In der Nacht auf den diesjährigen Tag der Deutschen Einheit wurde mein liebes Auto, das brav an der Straße parkend schlummerte, von Unbekannten vorsätzlich beschädigt. Beide Kennzeichen wurden dabei entwendet. Als ich es am Nachmittag in diesem Zustand vorfand, war ich natürlich perplex und konnte das erst einmal gar nicht so richtig einordnen. Unnötig zu erwähnen, dass meine entspannte Feiertagslaune ab diesem Zeitpunkt erst einmal im Keller war…. Denn notgedrungen musste ich den Nachmittag auf dem Polizeirevier verbringen, um den Vorfall zur Anzeige zu bringen.

In der Zeit darauf folgten weitere unangenehme Aufgaben wie Behördengänge, Werkstatttermine, Korrespondenz mit der Versicherung usw. Daneben hat ein solches Ereignis natürlich auch Auswirkungen auf die mentale und physische Gesundheit eines Menschen. So plagten mich in den darauf folgenden Tagen Unruhe, nachts konnte ich nur schwer einschlafen und wachte zu früh auf. Viele Gedanken schwirrten mir durch den Kopf.

Um meine innere Balance zu wahren bzw. wiederherzustellen, meditiere ich seither vermehrt und treibe auch mehr Sport als sonst. Das hilft bei der Krisenbewältigung. Den Rest muss dann wohl die Zeit erledigen. Nachdem der erste Schock überwunden war, stand ich allerdings vor der Entscheidung, wie ich mit dieser Situation im Weiteren am sinnvollsten verfahren soll. Der leichteste und bequemste Weg wäre natürlich, einfach Gras über die Sache wachsen zu lassen, sich bedeckt zu halten, still und leise zu leiden und zu hoffen, dass der Täter nicht erneut zuschlägt. Dies entspricht auch dem Verhalten, welches die mehrheitliche Gesellschaft von einem in dieser Situation erwartet. Lautstarkes Aufbegehren und gelebte Wehrhaftigkeit hingegen werden leider oft schnell zum Nachteil des Geschädigten verkehrt (Stichwort: victim blaming). Insbesondere fühlen sich duckmäuserische Persönlichkeitstypen dadurch in ihrer eigenen fein säuberlich kultivierten Schwäche entlarvt und insofern bedroht. Aber das soll jetzt hier nicht Thema sein. Vielleicht komme ich bei anderer Gelegenheit darauf zu sprechen.

Auf diese Art von egativer Aufmerksamkeit bin ich vor diesem Hintergrund grundsätzlich nicht wirklich scharf. Nach gründlicher Abwägung meiner Interessen und Rechtsgüter kann ich es mir jedoch nicht leisten, mich mit der Frage nach der gesellschaftlichen Akzeptanz oder Nichtakzeptanz meiner Haltung und Herangehensweise zusätzlich zu belasten. Dieser steht nicht zuletzt auch meine Pflicht und mein Anspruch vor mir selbst gegenüber, mich eben nicht von meinen Bedenken und Ängsten leichtfertig unterkriegen zu lassen. Ebenso eine gewisse Verpflichtung meinem privaten Umfeld gegenüber, welches durch das Ereignis und mein Befinden teilweise in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Hiervon soll sich niemand im Einzelnen vor den Kopf gestoßen zu fühlen, nur rein nüchtern betrachtet, kommt die Gesellschaft nicht für den mir entstandenen Schaden auf und vermag mich vor solchen Übergriffen auch nicht effektiv zu schützen. Für den Selbstschutz ist letztendlich, auch wenn diesbezüglich medial oft beschwichtigende Augenwischerei betrieben wird, jeder Mensch von Natur wegen nicht nur ermächtigt, sondern auch verantwortlich. Insofern höre ich da lieber auf mein eigenes Bauchgefühl und habe ich mich entschieden, mich mitsamt meinem Ärger nicht zu verstecken, sondern meine Komfortzone ganz bewusst zu verlassen, laut zu sein und eine Fangprämie auszuloben:

Hinsichtlich der Höhe der Belohnung, die von den Gerichten gemeinhin akzeptiert wird, sind mir leider die Hände gebunden, aber vielleicht ist die allgemeine Sicherheit der betreffenden Gegend für einen möglichen Augenzeugen oder Wissenden ja Lohn genug, um sich zu Wort zu melden, denn ob sich der Angriff gezielt gegen meine Person richtete oder mein Auto nur zufällig gewählt wurde, ist aktuell völlig unklar.

Dieser kleine Blog ist nicht darauf ausgelegt, eine breite Öffentlichkeit zu erreichen und das ist hier auch gar nicht nötig, zumal es wohl wenig zielführend wäre, die ganze Stadt oder ganz Deutschland in Kenntnis zu setzen. Deshalb habe ich die Auslobung zahlreichen Haushalten in Tatortnähe gezielt per Flyer und Aushang zukommen lassen. Mit diesem Post möchte ich insofern nur meine Leser auf dem Laufenden halten. Teil 3 von „Faszination Tango-Community“ muss leider noch etwas auf sich warten lassen.

Selbst wenn der Täter nicht gefasst werden sollte, bleibt mir persönlich die Genugtuung genau zu wissen, dass Personen, die anderen absichtlich Schaden zufügen, in den allermeisten Fällen schwer unter ihrer eigenen Befindlichkeiten und Affekten leiden und in Wahrheit sie selbst ihr erstes und gleichzeitig auch ihr größtes Opfer sind.

Der gestörten Seele, die offenbar nichts Besseres zutun hat, als in der Nacht aus ihrem Loch zu kriechen, um sich feige und perfide am Eigentum anderer zu vergreifen, möchte ich auf diesem Wege mitteilen: leide weiter!

Faszination Tango-Community – Teil 2

Wer hat hier eigentlich das Sagen?

Kurz gesagt: niemand und gleichzeitig alle.

Stellt man auf die Organisation von Tango-Communitys ab, so bemerkt man als aufmerksamer und objektiver Beobachter unschwer, dass sie nicht zentral regiert werden. Im Grunde werden sie überhaupt nicht regiert. Zumindest bisher nicht. Insofern sind wir Tangomenschen herrschaftslos und frei. Das bedeutet nicht, dass wir keine Werte oder Regeln haben. Aber dazu später mehr. Betrachten wir erst einmal weiter unsere Natur. Im Grunde regeln wir alles untereinander. Ich sage es ja nur ungern, aber das macht uns zu waschechten Anarchisten!

Gleichberechtigung

Da der Anarchismus jegliche Hierarchie negiert, bedeutet das für uns, dass jeder, der im Tango aktiv ist – ganz gleich ob beruflich oder hobbymäßig – gleichberechtigt ist. Dies umfasst freilich auch das gleiche Recht, den Kurs der Community im gegenseitigen Austausch mitzubestimmen. Das Mitbestimmungsrecht ist aber nicht zu verwechseln mit einem etwaigen Wahlrecht, denn wir halten faktisch keine Wahlen ab. Insofern entfällt eine wesentliche Säule der Demokratie. Wir sind keine Demokraten, wenn es um die Frage geht, wie wir den Tango zu kultivieren. Wir kultivieren ihn einfach und die Persönlichkeit und der Wille jedes Einzelnen fließt in die Ausübung des Tango mitein und prägt diesen mit. Wie intensiv man sich einbringt, ist dabei jedem selbst überlassen. Manche Ideen erfahren Zustimmung durch andere Mitglieder – und manche wiederum finden kaum Beachtung.

An sich hat dieses System bisher prima funktioniert und würde auch weiterhin funktionieren, gäbe es da nicht gewisse Bessermachenwoller. Eine Gefahr dieser Gleichberechtigung besteht nämlich mitunter in Bestrebungen, die Interessen der Praktizierenden vertreten zu wollen, also gegenüber der Rahmengesellschaft, relevanten Institutionen und auch dem Staat. Früher erschien mir die Idee, dass Tangoprofis Berufsverbände gründen, vernünftig und sinnvoll. Zünfte, Kammern und Co. haben schließlich eine lange Tradition in Deutschland. An sich mag diese Idee auch gut gemeint sein. Aber gerade im Tango sehe ich das mittlerweile doch eher kritisch. Juristisch mag eine Interessensvertretung die Rechtspositionen der Profis stärken. Aber im weiteren Verlauf könnte daraus problemlos ein Machtanspruch zugunsten bestimmter Interessensvertreter und zugleich zulasten der kulturellen Vielfalt im Tango entspringen, wobei dieser genau genommen zu keinem Zeitpunkt durch einvernehmlichen Konsens der Community an diese übertragen wurde. Dies birgt das Risiko, dass von ihnen anmaßend und illegitim definiert und geregelt werden könnte, was genau Tango in Musik und Tanz ist und was nicht. Dies würde dem Tango ein strammes Korsett anlegen, was gerade aufgrund der Besonderheit dieses Kulturgutes nicht nur obsolet wäre, sondern auch kontraproduktiv. Und ein solches Streben könnte man dabei – theoretisch – problemlos legitim anmuten lassen, zum Beispiel durch das besondere Schutzbedürfnis des Kulturgutes oder dem Bedürfnis der Profis, von ihrer Kunst leben zu können.

Jeder Mensch wünscht sich ein sicheres Dach über dem Kopf und das tägliche Essen auf dem Teller. Aber realistisch betrachtet, ist mir persönlich kein Tangoprofi untergekommen, der vom Tango wirklich komfortabel und sorgenfrei lebt. Und diejenigen, die damit über die Runden kommen, sind ständig auf Achse und in Sorge. Denn wie alle anderen Wirtschaftszweige, richtet sich auch die Kulturbranche nach den geltenden Naturgesetzen wie etwa Angebot und Nachfrage. Tango bedient im Grunde nur eine winzige Nische. Man verpflichtet sich ihm also nicht, sofern man grundsätzlich bei Verstand ist, aus Profitstreben, sondern aus tiefer Leidenschaft. Eine brotlose Kunst ist Tango keineswegs, allerdings sind die Lebenshaltungskosten in Deutschland sowie in weiten Teilen Europas alles andere als niedrig. Reicht also etwa das Musizieren im Tangoorchester nicht aus, um davon seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, sollte man dies womöglich besser nur als Hobby betreiben oder allenfalls als Nebenjob. Zumindest ist es kein Fehler, über einen Plan B zu verfügen.

Tangoprofis streben an, vom Tango leben zu wollen. Ich sehe daher nicht, was genau ein Berufsverband konkret daran ändern könnte. Ein solcher vermag den Tango nicht aus seiner Nische zu holen. Man kann einer Kulturgesellschaft nicht künstlich aufs Augen drücken, was in weiten Teilen nicht zu ihrer Mentalität passt. Selbst mit viel Geld und Rückendeckung ist dies schwer möglich. Zurzeit versucht man mit viel medialer Aggressivität, hierzulande den amerikanischen Football an den deutschen Michel zu bringen. Vorangetrieben wird das durch einflussreiche Medienunternehmen, die sehr wahrscheinlich mit kompetenten Thinktanks und Medienstrategen kooperieren. Vor diesem Hintergrund drängt sich die Frage auf: Welche auch nur annähernd vergleichbare Maschinerie und Finanzkraft können da bitteschön die Verbandsvorläufer konkret vorweisen, um den Tango in Deutschland populärer zu machen? Um ihn zu bewerben und attraktiv zu machen, benötigt man einen solchen auch nicht. Es sind nach meiner Beobachtung die einfachen Hobbytänzer, die Außenstehende in den Tango holen.

Wohin sich solche Verbandsvorläufer genau entwickeln, bleibt abzuwarten. Ich bin für gute Argumente offen, sehe das jedoch bisweilen kritisch. Fest steht jedoch, dass echte Kultur aus der Mitte der Gesellschaft und somit horizontal entsteht und lebt und nicht etwa vertikal also von oben herab gewährt oder gelenkt wird. Anderenfalls würde sich der Tango längerfristig zu einer Karikatur entwickeln, die von einigen Wenigen nach ihrem persönlichen Geschmack anmaßend und künstlich geformt würde.

Sons and Daughters of Anarchy

Begriffe wie Anarchie bzw. Anarchismus sind hierzulande negativ konnotiert. Sie werden mit Chaos und Gewalt in Verbindung gebracht. Viele denken da an Graffitischmierereien, brennende Molotowcocktails, die durch Glasscheiben fliegen, Vandalismus usw. Aber mit der dahinterstehenden politischen Philosophie hat das alles nichts zutun.

Also immer schön cool bleiben… Hier ist lediglich die Rede von Tango. Tango ist eine kleine Traumwelt, also eine abstrakte Dimension, die räumlich auf dem jeweiligen Staatsgebiet stattfindet, in welcher er praktiziert wird. Begegnen wir uns also in der Bundesrepublik Deutschland, um gemeinsam Tangomusik zu spielen oder Tango zu tanzen, so findet alles im Geltungsbereich des Grundgesetzes statt, d.h. Gewaltenteilung, die deutschen Gesetzgebung etc. gelten uneingeschränkt fort und machen vor dem Tango und anderen kulturellen Interessensgemeinschaften natürlich keinen Halt. Alles, was wir in dieser Dimension so anstellen, muss bzw. sollte idealerweise im Einklang mit der übergeordneten Rechtsordnung stehen. Und nach meiner Beobachtung tut es das in den meisten Fällen auch.

Solange wir also mit der Rechtsordnung nicht kollidieren, sind wir frei. Während des Covid19-Lockdowns und diesem ganzen 3-G und 2-G-Nonsens wurden wir Tangopraktizierende mit dieser Tatsache besonders hart und unvermittelt konfrontiert. Ich erinnere mich noch schmerzlich daran, wie ich in der Anfangsphase der Lockerungen innerhalb gekennzeichneter Kästchen auf dem Parkett getanzt habe. Ein paar Quadratmeter waren es bloß. Besser als nichts, aber Freiheit war das auch nicht gerade. Danach konnte sich die Szene nach und nach erholen und wieder entspannt entfalten, wobei einige Schulen dies wirtschaftlich nicht verschmerzen konnten.

Autonomie

Jede Community regelt ihre Angelegenheiten und Ziele also selbst. Vom Engagement ihrer lokalen Mitglieder hängt übrigens auch ab, wie lebendig sie floriert. Darauf hat jedes Mitglied Einfluss – Nobodys genauso wie VIPs. Einzelnen Mitgliedern mag die Herrschaftslosigkeit, welche dem Geist des Tango inhärent ist, nicht so gut schmecken und möchten gerne wichtiger sein als andere. Dann gibt es wiederum solche, die sich freiwillig unterwerfen oder anderen anhänglich machen, was meiner Beobachtung nach oft nur in der kalkulierten Hoffnung geschieht, durch die vermeintliche Führungspersonen mit in den Tangoolymp erhoben zu werden. Zum Fremdschämen….

Mir wurden, vor allem in der Anfangszeit, immer mal wieder graue Eminenzen vorgestellt, die angeblich die deutsche Community mitgegründet haben sollen und insofern superwichtig seien. Da ich derartige Behauptungen im Verlaufe solcher Unterhaltungen, d.h. auf die Schnelle, nicht überprüfen konnte und mir ihr konkreter Beitrag für meine bisherige Entwicklung im Tango weder ersichtlich noch spürbar war, verzichtete ich auf den gewünschten demütigen Kniefall. Was ich nämlich trotz meiner damaligen Orientierungsprobleme in der Tangowelt zu dieser Zeit zum Glück rasch erkannte, war, dass man mit solchen signalhaften Hinweisen und das gar nicht mal sooo elegant-subtil eine Art Autorität und Machtgefälle postulierte, die ein entspanntes und respektvolles Kennenlernen auf Augenhöhe per se unmöglich machte. Um solche Konditionen und Strukturen machte ich schon immer einen großen Bogen und das würde ich auch jedem würdevollen Tänzer und empfehlen.

Gleichberechtigung

Sich über- und unterzuordnen, liegt freilich in der menschlichen Natur. Aber im Tango gibt es faktisch keine Könige, keinen Hohen Tangorat, keine Armee und keine Richter. Allerdings schlagen hier und da ein paar anmaßende Personalien auf, die gerne den Boss spielen wollen. Manchmal auch mit Entourage, um einen Herrschaftsanspruch zu suggerieren und zu untermauern. Im Grunde stellen sich solche Leute abseits der eigentlichen Community, denn sie kochen ihr ganz eigenes Süppchen, das dem freiheitlichen Wesen des Tango nicht gut bekommt.

Wer mich kennt, weiß, dass mir die Szenarien nicht so schnell ausgehen: Wenn zwei ganz gewöhnliche Hobbytänzer auf der Straße spontan, mit Herzenswärme und innerer Verbundenheit einen Tango tanzen, ist ihre bescheidene Aktion, auch wenn viele das belächeln würden, genauso(!) bedeutsam für die Bewahrung der lebendigen Tangokultur wie die Organisatoren großer internationaler Tangofestivals oder die Meisterpaare, die dort aufschlagen um sich im Blitzlicht zu sonnen. Nichts gegen unsere Maestros und Maestras. Sie beflügeln unsere Phantasien und zeigen ungeahnte Möglichkeiten auf. Selbstverständlich habe ich auch meine persönlichen Tango-Idole, aber die habe ich mir aufgrund von Besonderheiten, die mich faszinieren selbst auserkoren und treten mir außerdem auch umgekehrt mit Respekt gegenüber. Was die oben genannten Hobbytänzer auf der Straße angeht, ist ihre Darbietung vielleicht nicht so spektakulär, aber dafür authentisch, da ohne jegliches Gewinnstreben oder Anspruchsdenken, sondern aus einem tiefen Bedürfnis heraus. Wer die Gleichberechtigung aller Community-Mitglieder ernsthaft anzweifelt, hat den argentinischen Tango entweder nicht begriffen oder nicht begreifen wollen.

Community im steten Wandel

Einen fest abgesteckten Personenkreis bilden wir definitiv nicht. Wir sind kein Geheimbund. Und auch kein Dorf, auch wenn es sich manchmal so anfühlt als würde man auf Milongas und Marathons Nachbarn begegnen. Mitglieder verschwinden. Neue Mitglieder kommen hinzu. Und hier und da ein bekanntes Gesicht. Die Tango-Community ist keineswegs statisch, was ihre Mitglieder anbelangt, auch wenn wir uns manchmal, wohlgemerkt manchmal(!), gegenseitig etwas anöden. Wir schmeißen uns nicht nur wegen der bekannten Gesichter auf die Piste. Nicht nur um alte Freunde zu treffen. Nein. Zwar bieten sie Geborgenheit und damit das gewisse wohlige Wohnzimmerfeeling. Aber den meisten von uns sind neue Gesichter sehr willkommen.

Nachschub Nachwuchs

Aber woher die Gier nach neuen Tänzern? Nun, spätestens nach ein paar Jahren Erfahrung hat man alle interessanten Mittänzer gewissermaßen durch, um nicht zu sagen auch ein wenig satt. Es passiert nichts Überraschendes mehr. Mit der Zeit kennt man sich ganz gut und weiß wie der Andere führt oder sich führen lässt. Zumindest glaubt man, es zu wissen. Man sehnt sich nach dem Unbekannten und Unberechenbaren, so wie das Abenteuer einst ganz am Anfang seinen Lauf nahm. Dabei möchten sich die meisten aus reiner Bequemlichkeit weder mit der eigenen Geisteshaltung auseinandersetzen noch möchte jede zweite Woche verreisen und sich in komplett andere Tango-Kreise zu begeben, nur um neue Tänzer zu erleben. Da ist es einfacher, in die eigene Community neue Mitglieder zu locken und zu passablen Tänzern heranzuzüchten. Pragmatismus zeichnet uns aus. Der Wille ist da. Aber ironischerweise möchte sich kaum jemand wirklich die Mühe machen, einen Anfänger unter die Fittiche zu nehmen und ihn monate- oder gar jahrelang zu fördern, bis er gut genug tanzt. Erstrecht nicht, wenn man selbst einen steinigen Lernprozess hinter sich hat. Es sei denn vielleicht, er oder sie zeigt sich in besonderer Weise „erkenntlich“. Sonst lohnt sich das Investment aus der Sicht der meisten Möchtegern-Daddies und -Mommies nicht. Machen wir uns also nichts vor! Altruismus ist Mangelware in deutschen Tango-Communities.

Aber, um auf die alten Gesichter zurückzukommen: Mit der richtigen Perspektive und Einstellung ist jede Tanda neu und frisch, egal wie oft wir schon mit ein und demselben Tänzer getanzt haben. Aber dennoch, neue Tänzer sollen her! Aus der Mitte der Gesellschaft sollen sie interessiert und, um Tacheles zu reden, im nächsten Schritt rekrutiert werden. Das Bäumchen-wechsel-dich-Spiel soll reibungslos am Laufen gehalten werden. Das Ganze würde an einen Swingerclub erinnern, wäre da nicht dieser Kultcharakter und das vage Gefühl, dass ab und zu etwas ganz Heiliges in der Umarmung passiert, das weit über die profane physische Anziehungskraft hinausgeht.

Politik

Man hört oft, dass die Tango-Community wie ein Spiegel der Gesellschaft sei. Mit dem Begriff der Gesellschaft assoziieren viele schnell ein bestimmtes politisches System. Es laufen interessante Debatten über die Frage, ob Tango kapitalistisch oder kommunistisch sei. Nun, der Mensch bringt sich im Grunde mit allen Facetten und Charaktereigenschaften mit ein, über die er auch vor dem Beitritt verfügte, mit all seinen guten und all seinen schlechten.

So falsch ist das mit dem Spiegel also nicht. Verschiedene Kulturen und teilweise sehr widersprüchliche Mentalitäten treffen im Tango wie in einem Schmelztiegel aufeinander. Als Ausdruck von Leidenschaft, Melancholie und Schmerz ist Tango jedoch keine Erfindung Reicher oder Intellektueller, sondern ein Kind der Armut. Einfache Menschen, die unter existenziellen Problemen und Hoffnungslosigkeit litten, haben ihn entwickelt, kultiviert, ihn weitergegeben und ihn somit auch unseren Breitengraden und unserer Generation geschenkt. Im Umkehrschluss bedeutet dies: wenn wohlhabende Leute ihn praktizieren, ist es im Grunde nichts anderes als kulturelle Aneignung.

Da der Kommunismus als gesellschaftstheoretische Utopie nicht unabhängig vom Kapitalismus gedacht werden kann, spielt der Kapitalismus im Tango schon eine gewisse Rolle. Bekanntlich ist der Mensch ein politisches Wesen, ein zoon politikon. Aus keinem Lebensbereich lässt er seine politische Haltung komplett außen vor. Dazu ist der Mensch kaum imstande. Aber deshalb ist der Tango für sich betrachtet nicht automatisch politisch oder gar kapitalistisch. Vielmehr wurde er als abstrakter Zufluchtsort geschaffen, in der die Welt noch in Ordnung schien und das Leben noch lebenswert. Selbst wer in der Außenwelt wirtschaftlich und sozial ganz unten angekommen war, konnte im Tango Anerkennung finden oder gar ein König sein, wenn er gut genug tanzte. Noch heute kann man sich in den Tangosalons in Buenos Aires Status und Rang verschaffen, wenn man gut tanzt.

Es ist, wie dargestellt, keineswegs eine bestimmte politische Weltanschauung, die die Tango-Community anleitet. Wir wissen nun, wir sind Anarchisten. Aber was sind wir noch? Was ist es, das uns eint?

Faszination Tango-Community – Teil 1

Stellt Dir vor, es ist Milonga und keiner geht hin. Keiner außer Dir und eine weitere Person, wie etwa Deine Begleitung oder vielleicht jemand Fremdes, den Du angenehm findest und mit dem Du grundsätzlich tanzen möchtest. Das Parkett glänzt, die Beleuchtung ist stimmungsvoll, der DJ sitzt artig am Pult und die Musik spielt. Alles ist perfekt. Nur die anderen Gäste fehlen. Würdest Du unter dieser Prämisse in der für Dich gewohnten Dauer dieser Milonga beiwohnen und auch die Anzahl von Tandas tanzen, die Deinem Durchschnitt entsprechen?

Nein? Warum nicht? Wie viele verschiedene Tanzpartner benötigst Du denn, damit die Milonga für Dich befriedigend ist? Oder anders gefragt: Ist der Genuss für Dich gemindert, wenn Du keine Aussicht darauf hast, schon bald in die Arme des nächsten Tanzpartners zu versinken? Wieviele Tänzer braucht man denn generell, um Tango zu tanzen? Und wieviele konkret, damit von einem sog. Social Tango die Rede sein kann? Wie viele Paare müssen auf der Piste sein, um eine Ronda bilden zu können? Gibt es da eine Mindestzahl? Wäre es denn überhaupt eine Milonga, wenn nur zwei Gäste anwesend wären? Was definiert die Milonga? Ist sie als soziale Begegnungsstätte für das Ausleben von Tango unabdingbar? Oder kann man den Tango nicht ebenso gut auch nur zu zweit leben? Und was ist eigentlich Zeit…?

Symbolbild „Two little dancers“ von John-Drysdale

Zugegeben, die letzte Frage hat hier nix verloren. :–P Ich wollte nur mal checken, ob Du noch da bist. Die Aufmerksamkeitspanne der Menschen scheint generell immer kürzer zu werden. Kein Wunder bei dem vielen Input.

Autonomie

Dieser Beitrag beabsichtigt nicht, all die oben aufgeworfenen Fragen detailliert und gesichert zu beantworten. Auch sollen sie keine Anklage darstellen. Ich möchte andere Tangotänzer lediglich dazu ermutigen, sich nicht von anderen wie etwa Profis, Lehrer oder Vorbildern der Szene vorkauen zu lassen, was genau Tango bedeutet und wie man ihm am besten fröhnt, sondern sich auf eine eigene, autonome Entdeckungsreise zu begeben. Besonders als Anfänger ist man sehr anfällig für Lehren, aber ebenso auch Irrlehren. Tango ist nicht per copy and paste zu erobern, auch wenn Nachahmung den Lehrer ehren mag, sondern eine sehr persönliche Sache, nämlich ein künstlerisches Sprachrohr der individuellen Persönlichkeit. Eure Idole können Euch also nur die Tür zeigen. Aber hindurchgehen müsst Ihr letztendlich alleine. ;–) Und genauso müsst Ihr alleine, also selbständig den Tango und seine mannigfaltigen Möglichkeiten erforschen, um eines Tages vielleicht ‚Erleuchtung‘ zu erlangen.

Dies bedeutet konkret, Strukturen, Definitionen und Begebenheiten, die uns als unerschütterlich serviert werden, zumindest hin und wieder auf den Prüfstand zu stellen und auf ihren Wahrheitsgehalt und ihre Allgemeingültigkeit hin zu hinterfragen. Denn nichts von dem, was wir im Tango gewohnheitsmäßig als Tradition verstehen, ist tatsächlich in Stein gemeißelt. Allenfalls gibt es eine Art Konsens unter Tangotänzern sowie Tangokulturschaffenden, den es zu respektieren gilt, d.h. wenn man diesen Personenkreisen angehören möchte. Aber realistisch betrachtet ist wohl kaum jemand unter diesen vermeintlichen Galionsfiguren Zeitzeuge der Geburtsstunde des Tango. Und selbst diejenigen, die die Geschichte des Tango eingehend studiert haben und diese als Experten weitertragen, formen sie selektiv nach ihrem eigenen ganz persönlichen Geschmack. Das geschieht unbewusst.

Kurzes Beispiel: die Ronda. Überall lernt man, sozial würde Tango ausschließlich gegen den Uhrzeigersinn in konzentrischen Bahnen getanzt werden. Demzufolge gilt die nicht einhalten als regelwidrig und unsozial. Aber nach meinen Recherchen entspringt diese Ordnung dem Wiener Walzer und wurde lediglich auf den Tango übertragen. Demnach wäre die Ronda ein österreichischer Einfluss. Dies lässt logisch den Schluss zu, dass die Paare in den frühen Anfängen entweder einer anderen Ordnung folgten, oder, was wahrscheinlicher erscheint, nach Belieben kreuz und quer durch den Raum tanzten. Bei gegenseitiger Rücksichtnahme ist dies durchaus praktikabel.

Mein Appell geht aber nun keineswegs dahin, sich bezüglich aller Riten und Gepflogenheiten grundsätzlich in Opposition zu stellen. Das Rad wurde bereits erfunden und es läuft soweit ganz gut! Würden wir ausnahmslos alle Riten, Begebenheiten, Definitionen und Regeln aushebeln, wäre der Tango irgendwann bis zur Unkenntlichkeit verwässert und hätte mit seinen argentinischen und uruguaischen Wurzeln nicht mehr viel gemein. Was genau Tradition ist, entschlüsselt man am besten im lebendigen Austausch miteinander.

Um ihn also besser zu begreifen, kommen wir nicht umhin, ein besonderes Augenmerk auf uns selbst werfen. Schließen sind wir es, die die Maßstäbe setzen.

Wir im Tango

Wir als Tangobegeisterte, also Tangotänzer, Musiker, Veranstalter, DJs, Lehrer etc. bilden soziale Sphären, in denen wir uns immer wieder begegnen. Aber was bedeutet dies konkret. Sind wir bloß Teil einer losen Menge? Oder vielleicht eine Art Gang? Sind wir strukturiert und geordnet? Hierarchisch organisiert oder vielmehr chaotischer Natur? Pack schlägt sich – Pack verträgt sich?

Oft ist ja die Rede von der „Tango-Community„, die hochgehalten wird und nach einhelliger Überzeugung möglichst breit aufgestellt florieren sollte. Keine Ahnung, warum wir überhaupt einhellig diesen Anglizimus verwenden. Ich beoachte da ein besorgniserregendes Sprachdefizit in der deutschen Tangoszene. Viele Tänzer in der Community, die bereits seit Jahren hier leben, beherrschen kein oder kaum Deutsch oder haben es nicht sehr eilig mit dem Lernen. Ich mag die englische Sprache ja auch und verwende auch oft Anglizismen, wo die Alternativen unpassend erscheinen, aber de facto ist sie hierzulande keine Amtssprache. Spanisch würde da definitiv mehr Sinn ergeben als Englisch, zumal dies die Fachsprache des Tango ist. Aber gut, bleiben wir ruhig dabei. In der Community werden munter Werte und Regeln postuliert, oft jedoch offenkundig nicht immer konsequent gelebt, d.h. aktiv mitgetragen. Wie zum Beispiel Integration. Würde sie ausnahmslos engagiert und wohlwollend praktiziert werden, würden uns nicht immer wieder Berichte erreichen von Tänzern, die sich einsam, nicht gewertschätzt, von der Gemeinschaft ausgeschlossen fühlen und im letzten Schritt ihr Leiden beenden, indem sie das Exil suchen.

Big family?

Diese Tango-Community ist unstreitig von einem mehr oder weniger starken Wir-Gefühl gekennzeichnet ist. Manche Mitglieder romantisieren die Gemeinschaft deshalb als Familie, insbesondere solche, deren sozial-familiäre Verhältnisse zerrüttet sind. Sie neigen naturgemäß dazu, im Tango eine Art Ersatzfamilie erblicken. Aber den Tatsachen entspricht dies meist nicht und nur selten sind Beziehungen dauerhaft oder annährend so tiefgreifend, wie es bei biologischen Verwandtschaftsverhältnissen gemeinhin zu beobachten ist.

Beispiel: Bekommt eine Tänzerin oder ein Tanzpaar ein Kind, so jubeln viele Mitglieder den Zuwachs, der dann nicht selten auf Milongas präsentiert wird. Aber beim Jubeln und gutgemeinten Bekundungen sowie großzügig anmutenden Hilfsangeboten bleibt es in den meisten Fällen dann auch. Denn in der Regel übernimmt die Gemeinschaft keine oder kaum relevante erzieherischen Verpflichtungen gegenüber diesem ’neuen Mitglied der Tangofamilie‘ oder sichern es gar wirtschaftlich ab. Insofern sind Statements, die ein familiäres Miteinander postulieren, meist nur Schall und Rauch. Mehr als ein paar Tipps und Theorie sollte man da als junge Mutter oder Vater insofern nicht erwarten. Viele Menschen, und das gilt gesamtgesellschaftlich und keineswegs nur für den Tango, möchten Wärme und Geborgenheit empfangen und sich getragen fühlen, sind aber gleichzeitig kaum bereit, andere ebenso aufzufangen und zu tragen. Man ist sehr darauf bedacht, schwarze Zahlen zu schreiben. Genommen wird insofern gerne und großzügig – das Geben beschränkt sich in der Realität auf die herzliche Umarmung und diese endet auch schon mit dem Einspielen der Cortina. Über Missstände auf Milongas, die im Grunde Missstände in der Community sind, habe ich hier bereits ein wenig berichtet.

Wahre Freunde

Wenn die Gemeinschaft also keine Familie ist, so könnte man in ihr auf den ersten Blick einen großen Freundeskreis erblicken. Natürlich bilden sich innerhalb der Tango-Community Freundschaften, aber die Communities sind groß und überschneiden sich mit anderen. Klare, scharf abgegrenzte Personenkreise gibt es insofern nicht. Folglich ist nicht jeder Tänzer, den man flüchtig oder womöglich noch gar nicht kennt, automatisch ein Freund. Lediglich das Potential ist vorhanden. Nicht mehr und nicht weniger. Gleichermaßen das Potential einer Feindschaft, wohlbemerkt. Sich etwa gegenseitig den Trainingspartner auszuspannen, gehört leider auch zum Tango. Konkurrenzdenken und daraus resultierende Intrigen sind keineswegs dort seltene Phänomene, sondern an der Tagesordnung. Viele Mitglieder offenbaren eine beachtliche kriminelle Energie, wenn es darum geht, selbst voran zu kommen oder andere zu übervorteilen. Das ist Teil der dunklen Seite des Tango.

Angeachtet dessen, benötigen Vertrauen und Liebe, die eine Freundschaft kennzeichnen, üblicherweise Zeit sowie Energie um überhaupt zu gedeihen. Viele Mitglieder investieren sie gar nicht ernst mühsam, sondern gehen direkt über in eine Art Instant-Freundschaft, in welcher man die Vorzüge einer intimen und vertrauensvoll anmutenden Verbindung zwar genießt und großzügig Umarmungen austauscht, aber bei genauerem Hinsehen meist nur an der Oberfläche verweilt. Denn öffnet man sich hingegen wirklich einem anderen Menschen, impliziert dies nicht nur die Offenlegung der Lebenerfolge, sondern auch der Misserfolge, was letztendlich verwundbar macht. Das Risiko gehen immer weniger Menschen leichtfertig ein. Lieber zeichnet man ein bestimmtes Bild von sich vor, ähnlich wie auf Social Media.

In der Tango Community ist das nicht wirklich anders. Die Leute gieren geradezu nach Glanz und Glamour, nicht nach unschönen Fakten oder stimmungskillenden Schicksalsschlägen. Davon will man nichts hören. Tango will schließlich gefeiert werden, nicht betrauert. Wir sind keine Trauergemeinde! Übrigens ist die Milonga ein prima Ort, um die Flucht zu ergreifen und in der Menge abzutauchen, wenn ein Gespräch unangenehm oder langweilig wird. Schließlich wollen die meisten Besucher ihre Energiereserven dort auffüllen und nicht entleert bekommen. Diese Möglichkeit hat man im eingehenden Szenario natürlich nicht. Da bleibt nur die vollständige räumliche Flucht.

Surrogates

Einige unter euch Tangotänzern denken sich nun vermutlich: „Moment mal, ich habe viele Freunde im Tango! Außerdem dreitausend Kontakte auf Facebook. Ich verabrede mich auch gerne mit meinen Leuten. Sie sind real.“ Klar sind es echte Menschen, mit denen wir da verkehren. Nicht etwa „Surrogates“ wie im Film mit Bruce Willis. Das stelle ich auch überhaupt nicht in Abrede. Aber wir sind auch nicht soooo weit von dieser Dystopie entfernt, wie wir glauben: Zwar schicken wir nicht unsere hochentwickelten Roboter, die mit uns verlinkt sind, hinaus in die Öffentlichkeit, aber wir tragen dennoch Masken im Umgang miteinander. Frag Dich doch einmal selbst: Wie viele Deiner Tangofreunde kennen Dich wirklich? Wieviele glaubst Du, umgekehrt genau zu kennen?

Bleiben wir bei den Fakten: Was die vermeintliche Freundschaftspflege anbelangt, drehen sich die meisten Verabredungen irgendwie ausschließlich um den Tango, als wäre er unsere einzige Existenzebene. Aber Tango ist, realistisch betrachtet, nur ein kleines Puzzelteil davon. Tänzer treffen selten einfach nur so auf einen Kaffee oder einen Restaurantbesuch, zumindest nicht ohne dass davor oder danach getanzt wird oder ohne dass der Tango zumindest thematisiert wird.

Ich selbst genieße es übrigens auch, mit kultivierten Leuten über Tango zu reden, aber genauso und vielleicht sogar etwas mehr genieße ich es, mit ihnen über alle möglichen anderen Themen zu philosophieren und bewusst einen großen Bogen um die gemeinsame Leidenschaft zu machen. Das finde ich irgendwie reizvoll. Solche Gespräche sind für mich die fruchtbarsten, denn damit tritt man gemeinsam mit dem Dialogpartner den Beweis an, dass man ein Leben neben, vor oder hinter dem Tango hat, das ein Gespräch wert ist. So fühlt man sich als ganzer Mensch wahrgenommen und gewertschätzt, nicht eben nicht nur als Tango-Surrogate.

Zwischenfazit

Aber für die meisten geht nunmal Kuscheln klar vor echtem und lebensnahem Austausch. Nach meiner persönlichen Erfahrung und Beobachtung sind die meisten freundschaftlichen Verbindungen bis auf ein paar Ausnahmen jedenfalls keine wahren Freundschaften, sondern vielmehr solide Bekanntschaften. Vielleicht vergleichbar mit geschätzten Klassenkameraden. Nicht zuletzt lernen wir ja auch gemeinsam.

Im Zwischenergebnis sind wir also weder ein Familienclan noch ein überdimensionierter Freundeskreis. Aber was sind wir dann?

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