Wohin oder wann auch immer es gehen darf, ob nun vorwärts oder rückwärts, durch Raum oder gar Zeit, ich plädiere klar für den Erhalt der Individualmobilität!
Die Zeitmaschine, Spielfilm 1960
Warum? Nur auf den Massenverkehr zu setzen, ist unrealistisch und bringt’s einfach nicht. Gestern Abend, auf dem Heimweg von Köln, ist mein ICE bei Siegburg stehengeblieben und stand dort erstmal fast eine Stunde…im Tunnel…legte schließlich den „Rückwärtsgang“ ein und schmiss in Siegburg/Bonn alle Fahrtgäste raus. Abbruch. „Fahren Sie mit dem Nahverkehr zurück an den Kölner Hauptbahnhof.“, empfahl man uns. Grund war wohl eine defekte Oberleitung.
Offenbar nicht die erste in diesem Streckenabschnitt. Da fragt man sich so als Laie ganz naiv: Wie oft muss denn das Ding bitteschön repariert werden, damit es längerfristig funktioniert?
Wer auch immer die Verantwortung für die zahllosen Pannen und Verspätungen bei der Deutschen Bahn trägt, für mich steht fest: Ein Zug, der nicht fährt, ist nix wert.
Mit den Wahlen in Griechenland vom 25. Juni zogen erstmals die „Spartiaten“ („Σπαρτιάτες“) in das Parlament ein und zwar mit immerhin 4,64 %. Es handelt sich dabei um eine kleine und bis dato kaum beachtete Partei, die 2017 gegründet wurde und deren Gesinnung rechts außen verortet wird.
Viele Bürger in Sparta sind überrascht und empört, sehen den Namen ihrer geliebten Gemeinde angesichts ihrer historischen Bedeutung und kulturellen Wurzeln als instrumentalisiert. Auf die echten Spartiaten sind sie nämlich sehr stolz. Diese waren die Vollbürger des antikes Spartas und verfügten über eine beispiellose militärische Ausbildung.
Das Sparta-Institut hat sich nun eilig mit einem Schreiben an den zugleich wiedergewählten Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis gewand und fordert eindringlich eine Änderung der Gesetzgebung, die sich auf das Verbot der Verwendung des Namens oder des Symbols einer Partei oder eines Zusammenschlusses kooperierender Parteien oder eines Zusammenschlusses unabhängiger Kandidaten oder Einzelkandidaten bezieht, dergestalt, dass regionale Gemeinschaften, insbesondere solche, die historisch und international anerkannt sind, vor der Aneignung ihres Namens durch eine politische Vereinigung geschützt werden.
Oder einfach gesagt: die Partei soll sich einen anderen Namen suchen. Die Spartiaten gehören den Spartanern, ist man sich in Sparta einig. (Und das jetzt dreimal schnell hintereinander sagen! :–))
Leider hat man zu spät Notiz von den selbsternannten Spartiaten genommen bzw. sie bis heute wohl nicht ernst genommen. Ein großer Fehler. Nun müssen die Einwohner, von denen sich viele stolz als Nachfahren des antiken Sparta verstehen, vorerst die Schmach über sich ergehen lassen und abwarten wie Athen auf das geforderte Verbot reagieren wird.
Prächtige Statue des Königs Leonidas am „Spartathlon“ 2022 Der Ultramarathon gilt als beendet, wenn man die Füße der Statue berührt.
Die Identifikation mit Sparta durch faschistische Gruppierungen geht auf den Nationalsozialismus zurück. Die Nazis bewunderten die antiken Griechen und insbesondere die Spartaner. Allen voran Hermann Göring, welcher in seiner Rede von 1943 anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler die anstehende Niederlage der 6. Armee in der Schlacht von Stalingrad mit dem Heldentod des Spartaners Leonidas verglich, der die Griechen in der Schlacht bei den Thermopylen gegen die Perser anführte. Wenn man jedoch überhaupt die Konstellationen miteinander vergleichen würde, dann wären die Deutschen angesichts ihrer expansiven Bestrebungen, Invasionen und ihres Traumes, die Welt dem Dritten Reich zu unterwerfen, eher die antiken Perser und die Russen wären in diesem Vergleich die Griechen. Denn auch wenn man das angesichts der aktuellen Ereignisse kaum ungestraft äußern darf, haben die Russen im Zweiten Weltkrieg für die Freiheit Europas faktisch viele Leben geopfert, ähnlich wie damals Leonidas und seine Elitetruppe sich für die Freiheit Griechenlands aufgeopfert hatte. Allerdings kann man das persische Volk angesichts seiner jahrtausenden alten Kulturgeschichte und Identität nicht wirklich mit dem Spießbürgertum vergleichen kann, welches den Nationalsozialismus hervorgebracht hat. Das nur am Rande.
Die Geschichte Spartas wurde für die Propagandazwecke der Nazis jedenfalls schlichtweg verdreht und umetikettiert. Aber bereits vier Jahre vor Görings Rede hatte Adolf Hitler selbst in einer Rede Sparta als „klarsten Rassenstaat der Geschichte“ geehrt. Aber schon lange vor den Nazis, seit der französischen Revolution, wurde Sparta und seine einzigartige und stark militärisch geprägte Geschichte als beliebtes Beispiel für heroischen Kampf und Opferbereitschaft verklärt.
Die Spartiaten waren, sind und bleiben dank ihres Mythos von Ehre, Loyalität und Opfertod auch lange nach ihrer Ära ein Paradebeispiel für Stärke und Männlichkeit und damit zweifelsohne hot. Durch den Film „300“ von 2006 mit Gerard Butler als König Leonidas bekam der Mythos erneut einen Boost. Dieses verzehrte Bild, das von den Spartiaten im Westen gezeichnet wurde, scheint im Laufe der letzten Jahre nun auf die griechische Gesellschaft zurückprojiziert worden zu sein und prägt offenbar das Selbstverständnis von Ultranationalisten. Da die Partei ihren Erfolg hauptsächlich ihrem beeindruckenden Namen zu verdanken hat, ist jedenfalls davon auszugehen, dass sie ihn nicht kampflos aufgeben wird.
Nichts ist so verführerisch wie ein Mann, der sich angekommen fühlt.
Selbstzufriedenheit, Einklang mit dem Kosmos und das damit verbundene Lebensgefühl, exakt da zu stehen, wo man sein möchte, ist eines der wenigen Dinge, die ein Mann nicht oder nur schwer vortäuschen kann. Es sei denn, frau sieht nicht so genau hin oder lässt sich aus welchen Gründen auch immer bewusst blenden. Aber im Grunde hat ein beruflich und/oder sozial arrivierter Mann diese besondere Aura, die man einfach nicht imitieren kann und die ihn von „experimentierfreudigen“ Kindsköpfen und Tagträumern unterscheidet. Diese wirken aufgrund von gesellschaftlichen Idealen, denen sie erfolglos nachjagen, immerzu getrieben und rastlos.
Es ist übrigens keine Frage des Geldes, wie man vorschnell meinen könnte. Geld macht zwar vieles im Leben leichter, aber reicht als alleiniger Faktor nicht aus, um in sich inneren Frieden zu erzeugen. Diese besondere Aura, von der ich spreche, sehe ich zwar zugegeben schon wesentlich häufiger bei eher gut situierten Männern, habe ich aber ebenso bei solchen beobachtet, die in bescheideneren Verhältnissen leben. Einmal, vor nicht allzu langer Zeit, habe ich so jemanden sogar in der Gestalt eines jungen Obdachlosen gesehen und zwar im Frühling dieses Jahres in Paris. Aber das ist eine große Ausnahme. Er war ca. 30 Jahre alt und stach als Europäer mit einer gewissen Würde aus dem Getümmel von geschäftigen Indern, Pakistani, Bangladeschern oder weiß Gott, woher die alle stammten, das ich zwischen dem Gare de l’Est und dem Gare du Nord in der Rue du Faubourg Saint-Denis passierte, überraschend heraus. Offenkundig war er bettelarm und hatte eine ungepflegte Erscheinung, aber er war innerlich definitiv mit sich im Reinen, obwohl er objektiv betrachtet kaum Anlass dazu hatte. Womöglich hatte er seine persönliche „Ziellinie“ bereits erreicht und war durch vergangene Erfolge nachhaltig erfüllt. Sein Blick traf von der gegenüber liegenden Straße auch mich und auf seltsame Weise erkannten wir einander.
Keine Ahnung, welche Think-Tank jedenfalls dem modernen Mann einbläut, dass Orientierungslosigkeit irgendwie cool, geheimnisvoll oder liebenswürdig sei und man getrost zu ihr stehen dürfe. Alles Blödsinn. Eine Verwässerung der Vorstellung von Männlichkeit, deren Sinn und Zielsetzung ich ehrlich gesagt nicht verstehe. Odysseus mag das vielleicht gut zu Gesicht gestanden haben. Er ist jahrelang auf der See umhergeirrt, aber er hatte dieses „Lebenskonzept“ nicht freiwillig etwa aus Lethargie gewählt. Zudem war er im Inneren auch alles andere als planlos, sondern hatte immer ein klares Ziel vor Augen und somit im Herzen immer einen funktionierenden Kompass. Er wurde von höheren Mächten lange Zeit von seiner Heimkehr abgehalten, kehrte aber letztendlich zurück. In der Gestalt eines Bettlers, wohlgemerkt. Der moderne Mann hat es in der Regel eher nicht mit Sirenen oder Zyklopen zu tun und landet auch nicht bei Hades in der Unterwelt, auch wenn einem der eigene Vorgesetzte manchmal so vorkommt. Das wäre aber zugegeben mal eine wirklich stilvolle Ausrede!
„Ich bin nicht da, wo ich sein möchte.“ „Ich muss erst mein Studium/Doktorarbeit abschließen, bevor wir heiraten.“ „Ich weiß im Moment nicht, wie es beruflich mit mir weitergeht.“ „Ich bin im Moment einfach sehr mit mir selbst und meinen Zielen beschäftigt und habe keine Zeit für eine Beziehung.“ „Ich, ich, ich…“ Wenn Frauen solche Sätze von ihrem Kandidaten hören, kann man ihnen eigentlich nur eines raten: Nehmt die Beine in die Hand und lauft und zwar so schnell und so weit ihr könnt. Von solchen Kandidaten ist nichts zu erwarten. Warten lohnt sich auch nicht, sondern ist pure Zeitverschwendung. Wer mit seiner Liebe zurückhält oder aufwartet bis sich bestimmte Lebensereignisse wie z.B. der lang ersehnte Karrieresprung einstellt, hat in Wahrheit gar keine Liebe zu vergeben. Weder jetzt noch später. Solche Männer lieben, wenn überhaupt, nur sich selbst und träumen von Status und Applaus. Wer eine Frau liebt, lässt sie nicht ewig im Unklaren hängen, sondern fängt sie auf und hält sie fest. Basta.
Keinen Plan zu haben, wer man ist oder was man im Leben möchte, ist bei Jungs völlig ok und auch bei Frauen problemlos vertretbar. Aber wenn man(n) z.B. in seinen 40ern immer noch nach sich selbst sucht, wird man sich auch in Zukunft nicht finden. Damit will ich niemandem, der sich gerade tatsächlich in einer aussichtsreichen Entwicklung befindet, den Wind aus den Segeln nehmen, aber der Rahmen sollte schon irgendwann fertig gesteckt sein.
Den arrivierten Mann zeichnet es aus, dass er davon geprägt ist, Pläne zu entwickeln und diese stets mutig, entschlossen und kompetent umzusetzen, egal wie schwierig die Bedingungen sind. Dieser Mut macht ihn für Frauen nicht nur hochinteressant, sondern einfach unwiderstehlich…
Der „Tag der Arbeit“ hat seine Wurzeln in den USA, genauer gesagt in der US-amerikanischen Arbeiterbewegung und gedenkt der Opfer des Haymarket Massakers.
Kaum jemand kennt den blutigen Hintergrund dieses Feiertages, was bedauerlich ist, denn die Ereignisse und insbesondere das Resultat prägen die westliche Arbeitspolitik sowie den Tagesrhythmus vieler Menschen bis heute und erinnern darüber hinaus stets daran, dass viele Privilegien, die wir heute als selbstverständlich ansehen, in Wahrheit gar nicht so selbstverständlich sind. Für die Durchsetzung des Achtstundentages etwa sind damals Menschen gestorben. Nebenbei bemerkt ist zu hoffen, dass die aktuellen Verhandlungen rund um die Viertagewoche friedfertiger verlaufen….
Quelle: „Moderne Zeiten“ 1936, Charlie Chaplin
Heute feiern alle diesen Tag bzw. fühlen sich viele von ihm angesprochen, weil er bekanntermaßen irgendwie mit Arbeitnehmerrechten zutun hat. So verstehen sich etwa auch Angestellte in führenden Positionen, die in klimatisierten und modernen Büros arbeiten, als tapfere Ärmelhochkrempler und entrechtete Galeerenruderer und beklagen sich märtyrerhaft bei einer gemütlichen Tasse Kaffee über ihre angeblich miserablen Arbeitsbedingungen.
Zugegeben, auch „saubere“ und „abstrakte“ Tätigkeiten im Dienstleistungssektor können zweifellos sinnvolle Arbeit sein. Der moderne Mensch hat die Arbeit jedoch weder erfunden noch steht es ihm zu, vorschnell zu urteilen, wie wertlos oder wertvoll die Arbeit seines Nächsten ist. Leider machen das jedoch viele inmitten unserer Leistungs- und Konkurrenzgesellschaft. Aber wer hat das Recht oder die Deutungshoheit zu behaupten, dass nur Erwerbsarbeit gesellschaftlich wertvolle Arbeit sei? Was hätten dann bitteschön die Steinzeitmenschen getrieben, lange bevor das Geld erfunden wurde? Gammelten die etwa den ganzen Tag faul in der Höhle herum? Ich vermute, sie waren das Essen das sie verzehrten und das Dach (oder Höhlengewölbe) unter dem sie lebten würdiger als es so mancher Mensch es heute ist.
In seinem Meisterwerk „Moderne Zeiten“ von 1936 scheitert Charlie Chaplin in seiner Rolle als Arbeitnehmer auf ganzer Linie und weist unterhaltsam sowie brillant die Defizite und die Unvereinbarkeit der menschlichen Natur mit der herrschenden ausbeuterischen Arbeitsmarktpolitik auf. [Spoileralarm!] Am Ende ist er zwar arbeitslos, aber dennoch reich, weil ihm die Liebe seines Lebens zur Seite steht. Ich habe mich übrigens immer gefragt, was aus den beiden Figuren geworden ist und ob sie den Traum eines gemeinsamen Zuhauses verwirklichen konnten. Gerne stelle ich mir vor, dass sie dank ihrer darstellerischen Talente – fernab von Industrie und Versklavung – als Bohamians ihre Freiheit und ihr Glück gefunden haben.
Zurück zu den Ärmelhochkremplern und Galeerensklaven. Wenn der Begriff „Arbeit“ schon so weit ausgedehnt wurde, dass er physisch eher anspruchslose und privilegierte Tätigkeiten des Tertiärsektors miterfasst, warum schließt er dann nicht auch die Leistung von Menschen mit ein, die Tag für Tag für die Familie, die Kultur und das Gemeinwohl wertvolle Arbeit leisten? Für diese Arbeit sehen sie nicht nur keinen Cent, sondern werden in der Regel auch nur selten von ihrem Umfeld anerkennend gelobt.
Die Rede ist hier nicht von verwöhnten Gattinnen, die auf Kosten ihrer erfolgreichen Ehemänner ein privilegiertes Leben führen und die Hausarbeit und das Management der Familie an Putzfrauen und andere Hilfskräfte delegieren, sondern vielmehr von den vielen Frauen und Männern, die auf unscheinbare und doch unverzichtbare Weise die Gesellschaft wie Zahnräder mit am Laufen halten. Ihre Leistung wird schlicht ignoriert. Dabei ist beispielsweise die Erziehung der eigenen Kinder, das Engagement im örtlichen Fußballverein oder die Pflege von Angehörigen kein bloßes Hobby, auch wenn diese Tätigkeiten häufig belächelt werden, sondern wichtig und wertvoll für die Gesellschaft. Sie entlasten nicht zuletzt auch massiv den Sozialstaat. Die Gesellschaft, die Menschen nur noch als „Ressourcen“ oder „Erwerbspersonen“ definiert, redet ihren täglichen Einsatz jedoch nur allzu gerne klein. Sollten sie da durch den „Tag der Arbeit“ nicht ebenfalls mitgeehrt werden…?