Einsam heilsam?

Rund um die Weihnachtszeit bis hin zum Jahreswechsel klagen besonders viele Menschen über Einsamkeit. In dieser Zeit fühlen sich vor allem solche, die alleine leben, ledig, getrennt, geschieden oder verwitwet sind, stark isoliert. Aber Einsamkeit hängt nicht bzw. kaum von der Wohnsitation oder vom Beziehungsstatus ab, sondern ist vielmehr ein rein innerer Gemütszustand, ein Gefühl. Denn das Paradoxon ist, nicht nur Alleinstehende fühlen sich einsam. Selbst solide eingebettet in Partnerschaft, Familie und sozialen Beziehungen können sich Menschen einsam und isoliert fühlen. Nicht selten ist sogar gerade das intensive Um-sich-Scharen sozialer Kontakte ein Indiz für innere Leere, ein fragiles Ego sowie empfundene Einsamkeit, welches durch das Menschensammeln kompensiert werden soll. Meist erfolglos, denn die Einsamkeit wird damit nicht an den Wurzeln gepackt.

Zwar spiegelt sich diese Notlage der Betroffenen an Weihnachten bzw. im Monat Dezember, anders als oft angenommen, nicht in den Suizidraten des Statistischen Bundesamtes wider, aber dennoch hat Einsamkeit zweifelsohne pathologischen Charakter und verdient gerade in dieser Zeit besondere Aufmerksamkeit.

Um das Problem zu verstehen, ist es wichtig, sich mit den Ursachen zu befassen:

Seit Kindesalter wird uns beigebracht, dass Alleinsein ein schlechter Zustand sei, vor dem man sich dringend hüten sollte. Diese Erziehung führt unweigerlich zur Fehlinterpretation dieses Zustandes, sodass sich Denkmuster etablieren wie „Alleinsein ist schlecht.“, „Alleinsein macht krank.“ Oder „Nur wer Menschen um sich hat, ist glücklich.“ Der Mensch ist zwar bekanntlich ein soziales Wesen und in der Gruppe sind viele alltägliche Herausforderungen leichter zu erledigen, aber er strebt gleichzeitig auch nach Freiheit – und Panik hält ihn bekanntlich davon, sich frei zu entfalten.

Wer sich ständig mit dem Alleinsein oder besser dem Vermeiden von Alleinsein befasst, ist innerlich wie getrieben und verliert den Kontakt zu sich selbst. Für die Betreiber von Straßen-Cafés ist das eine prima Sache. Besonders solche in südlicheren Gefilden wie etwa in Griechenland sind voll von Leuten, die ihre eigenen Gefühle und Gedanken mit sinnlosem, aber staatstragend anmutendem Geplapper übertönen und sich gegenseitig unausgesprochen bestätigen, besonders sozial zu sein. Aber mit einem gesunden Sozialverhalten hat das exzessive Kontaktheischen und pingponghafte Austauschen nicht viel zu tun. Spätestens wieder daheim eingetroffen, fühlen sich viele von ihnen wieder leer. Wer außerdem zu sozial ist und seine Orientierung ausschließlich in der Gesellschaft sucht, ist argumentum e contrario womöglich latent gegen sich selbst, was sicherlich nicht für eine mentale Gesundheit spricht.

Anderes Beispiel: Viele Menschen legen ein gutes Buch nach kurzer Zeit, manchmal schon nach 2-3 Seiten Lektüre, wieder weg, um mit dem Smartphone auf Facebook, Instagram, Tinder, WhatsApp und Co. zu checken, was Freunde und Bekannte gerade so treiben, mit ihnen in Kontakt zu treten und die nächste Verarbredung klarzumachen. Zu groß wird in ihnen die Sorge und damit der Druck, etwas zu verpassen oder den Anschluss zu verlieren. Dieses Verhalten kann man besonders gut am Strand, im Flugzeug oder im Bus beobachten. Wer nicht einmal willens oder in der Lage ist, sich eine halbe Stunde lang in einen Text zu vertiefen und diesen semantisch zu erfassen und diese Zeit lieber in oberflächliche soziale Bestätigung investiert, dessen mentale Balance ist mindestens in Schieflage, wenn nicht sogar komplett aus dem Fugen.

Neulich tauschte ich mich mit einem Bekannten aus, einem französischen Künstler. Er lobte überraschend meine Fähigkeit zum zeitweiligen Alleinsein. Schon lange pflege ich regelmäßige Rückzugsphasen, in denen ich bewusst nur für mich sein möchte und Gesellschaft vermeide. Früher, etwa während der Schulzeit, waren es meist nur einige Stunden oder ein halber Tag. Später als Erwachsene zog ich mich hin und wieder sogar für mehrere Wochen komplett allein zurück. Mit meinen ungestörten Routinen und in der Gesellschaft meiner eigenen Gedanken ging es mir gut in meinem „Exil“ und ich kehrte anschließend immer erfrischt zurück zu meinen Liebsten.

Bis zu diesem Austausch mit meinem Bekannten, war ich mir nicht sicher, ob mit mir etwas nicht stimmte, zumal die Gesellschaft ausnahmslos die Bedeutung von Zusammensein hochhält und das Alleinsein gleichzeitig verteufelt. Diesem Diktat kann man sich nur sehr schwer entziehen. Aber mittlerweile sehe ich das anders, entspannter, denn faktisch leide ich in diesen Phasen nicht. Was sich für mich gut anfühlt, ist für mich gut. Punkt.

Um eine gute Beziehung zu anderen zu haben, sollte man sich eingestehen, dass man selbst der einzige wirkliche „Freund“ ist, mit dem man den Rest seiner Tage verbringen werde“, teilte mir mein Bekannter mit und berief sich dabei auf die Lehren des indischen Philosophen Jiddu Krishnamurti (*1895 – †1986), nach welchen die Einsamkeit für die Selbstfindung und -kultivierung nicht nur gut und sinnvoll, sondern unabdingbar ist. Krishnamurti ist in Philosophenkreisen alles andere als unbekannt, aber der breiten Masse der deutschen Gesellschaft ist er nicht unbedingt geläufig. In Schule und Universität habe ich diverse große Philosophen studiert, aber Krishnamurti bislang nicht. Möglicherweise liegt dies darin begründet, dass er jedwede Autorität ablehnte, die Gesellschaft als Ratgeber und Orientierung in Frage stellte, Konkurrenzdenken und sogar das Denken selbst kritisierte und die Menschen dazu ermutigte, wahrhaft unabhängig von anderen zu sein und sich selbst der beste Lehrer und Anführer zu sein. Gut vorstellbar, dass dies Machthabern in Politik und Wirtschaft aufstößt, wenn an altbewährten Dogmen (z.B. die Gesellschaft weiß immer, was für dich gut ist) gerüttelt wird. Eine Seele, in der Klarheit und Ordnung herrschen, ist schwer zu unterwerfen. Insofern ist es kaum verwunderlich, dass solche Philosophien nicht allzu hoch im Kurs steht.

Diesbezüglich spüre ich nach meinen ersten rudimentären Recherchen jedenfalls deutlich Nachholbedarf und habe zwei deutschsprachige Bücher zu Krishnamurtis Lehren gekauft. Das eine bietet einen ausführlichen Überblick über seine Theorien und das andere konzentriert auf das Thema Meditation.

Zwischenfazit: Möglicherweise löst die Furcht vor dem Alleinsein Einsamkeit überhaupt erst aus. Bewusstes zeitweiliges Alleinsein und effiziente Meditation könnten das Gegenmittel sein und die Einsamkeit heilen.

Love is a 4 letter word

Love is a four letter word used inflationary in countless contexts, mostly in absence of any kind of perception, understanding or feeling. But without love our hearts remain empty and cold and our lives fade into meaninglessness.

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Eins mit der Musik

[Warnung: der Beitrag enthält SPOILER zum Film „Rogue One: A Star Wars Story“]

Es dauert für gewöhnlich eine ganze Weile, aber wenn man mitten im Tangoleben angekommen ist, also schon diverse Kurse und Workshops in petto hat, regelmäßig Milongas besucht und die ersten Kontakte geknüpft hat, baut man die anfänglichen Hemmungen und Unsicherheiten langsam aber sicher ab. Zumindest erging es mir so. Mit zunehmender Erfahrung plagten mich nun nicht mehr diese anfänglichen, eher banalen Sorgen, ob ich etwa gut genug tanze oder mein Outfit richtig sitzt usw. Wichtig war von nun an nur der besondere Moment, den man mit diesem einen Menschen teilt.

Obwohl ich ab diesem Entwicklungsstadium wesentlich offener und entspannter in die Begegnungen hineinging, überforderte mich manchmal die Intimität, die das Tangotanzen nunmal unweigerlich erzeugt. Diese kommt ohne große Ankündigung wie aus dem Nichts! Cabeceo – fertig – los! Irgendwie erschien und erscheint diese rasante Entwicklung unnatürlich, vor allem wenn man bedenkt, wie lange es in anderen Lebensbereichen dauert bis Menschen sich einander annähern. Beim Tango ist es anders: plötzlich findet man sich in den Armen eines Fremden wieder und das nicht selten sogar mehrmals an einem Abend. Und dann geht es auch schon unmittelbar los, dieses ständige Geben und Nehmen von Energie….Wärme….und was weiß ich nicht alles.

Damit mich diese Intimität in der Abrazo nicht zu sehr überfordert, suchte ich nach einer Art Anker. Diesen fand ich letztendlich in der Musik. Beim Tanzen genauer hinzuhören, also meine Aufmerksamkeit gezielt auf die Melodien, Rhythmus und einzelne Instrumente zu richten, brachte nicht nur meine Gedanken und Gefühle zur Ruhe, sondern leitete mich zugleich an. Um diesen geistigen Fokus bewusst einzuläuten, dachte ich mir zunächst folgendes Mantra aus:

Ich bin eins mit der Musik

Dahinter verbirgt sich offen gestanden lediglich mein Wunschdenken, meine Bewegungen zum Ausdruck der Musik werden zu lassen bzw. sie mit ihr in Einklang zu bringen ohne(!) mir dabei untreu zu werden. Nach diesem Spagat strebe ich im Tango und er ist alles andere als leicht. Es gelingt mir bislang nur selten, aber dann freue ich mich umso mehr! Denn obwohl ich schon eine zeitlang Tango tanzte, hatte ich mich mit der Musik und der Musikalität bis dato kaum befasst. Erst vor kurzem habe ich überhaupt damit begonnen. Dabei scheint die Musik der Schlüssel zum Tangohimmel zu sein. Man tanzt Tango schließlich nicht trotz der Musik, sondern gerade wegen der Musik.

Als Science-Fiction-Fan musste ich bei meinem Mantra-Entwurf zwangsläufig an ein Zitat aus „Rogue One: A Star Wars Story“ aus dem Jahr 2016 denken, nämlich an das legendäre Mantra des blinden Kriegermönchs Chirrut Îmwes (gespielt von Donnie Yen), welches übersetzt lautet: „Ich bin eins mit der Macht. Die Macht ist mit mir.“ (orig. I am one with the Force, and the Force is with me.). Von dieser Figur war ich schwer beeindruckt. Mit diesem Mantra bekannte sich der machtsensitive Mönch, welcher Mitglied des Ordens Wächter der Whills (Guardians of the Whills) war, die Macht zu kennen, zu achten und zu spüren, sich ihr hinzugeben, sich in Harmonie und Einklang mit ihr zu befinden und sich somit ihrer wohlwollenden Unterstützung jederzeit gewiss zu sein.

Diese Interpretation wird nicht zuletzt auch durch die ebenfalls von Chirrut gepredigte Langfassung gestützt „Die Macht ist mit mir. Ich bin eins mit der Macht. Und ich fürchte nichts, weil alles so ist wie die Macht es will“ (orig. The Force is with me, and I am one with the Force. And I fear nothing, because all is as the Force wills it.). Gemäß ihrer religiösen Praxis zogen die Wächter es jedenfalls vor, die Macht und ihre Präsenz zu spüren, wohingegen im Vergleich hierzu, die Jünger der Whills (Disciples of the Whills) sich mehr damit beschäftigten, ihr zuzuhören und ihren Willen zu ermitteln (Quelle: Lucasfilm Ltd. LLC, The World Disney Company. „Rogue One: A Star Wars Story“. Regie: Gareth Ewards, 2016.)

Was das mit Tango zutun hat? – Nun, die Welt des Tango Argentino ähnelt ebenfalls einem religiösen Kult und die Praktizierenden hegen nicht selten eine spirituelle Haltung zu Musik und Tanz.

Die Musik leitet den Tänzer im Grunde so an wie die Macht den gläubigen Mönch. So wie die Macht alle Materie, also alles Lebende und Nicht-Lebende bedingt, durchströmt und zusammenhält, so ist auch die Musik die unverzichtbare zentrale Kraft, die das Tanzen bzw. Tanzenwollen sowie letztendlich alles, was sich im Tango und auch zwischen den Zeilen abspielt, überhaupt kausal ermöglicht.

Motiviert durch mein obiges Wunschdenken und inspiriert von Chirruts Worte, ergänzte ich mein zweites Tangomantra und denke mir oft noch heute zu Beginn einer Tanda:

Ich bin eins mit der Musik und die Musik ist mit mir

…möge die Musik auch mit euch sein. Immer. ;–)

Jiaogulan – forever young

Unsterblichkeit mag für Viele vielleicht verlockend klingen. Der Traum vom ewigen Leben dürfte wohl so alt wie der Mensch über seine Existenz reflektieren kann. Aber ich persönlich finde es nicht erstrebenswert, ewig zu leben. Das Leben ist spannend und kostbar, gerade weil seine hellen und dunklen Momente quantitativ limitiert sind. In ihrer Qualität hingegen sind ihnen manchmal keine Grenzen gesetzt. Damit gebe ich mich zufrieden – zumindest auf dieser Existenzebene. Allerdings bin ich schon irgendwie froh, dass die Lebenserwartung von Frauen und Männern dank Wissenschaft und Medizin deutlich gestiegen ist. Lebte ich beispielsweise im 19. Jhd, so hieße es für mich – zumindest statisch betrachtet – schon bald game over. So eilig hätte ich es dann doch nicht. :–)

Gegen das Altwerden ist an sich nichts einzuwenden. Aber um jeden Preis uralt werden? Wenn schon altern, dann doch bitteschön mit Würde und bei bestmöglicher Gesundheit! Ein hohes Alter unter Gebrechen, Gelenkprothesen und Stents oder unter geistigem Abbau zu erreichen, um dann irgendwann wie ein Zombie im Pflegebett vor sich hin zu vegetieren und seine eigenen Kinder und Enkel nicht wiederzuerkennen, klingt irgendwie nicht gerade glamourös. Was hat sich die Natur eigentlich dabei gedacht, dem Menschen diesen langwierigen und leidvollen Verfall zuzumuten, der in Relation zur gesamten Lebensspanne in vielen Fällen einen nicht unbeachtlichen Zeitraum einnimmt? Und war das denn wirklich so geplant oder war das nicht vielleicht doch ein Fehler der Evolution? Na ja damit können sich gerne die Gerontologen befassen.

Die Themen Aging und Anti-Aging fand ich schon immer spannend, noch lange bevor diese Begriffe in aller Munde waren. Insbesondere das, was die Kräuterheilkunde in diesem Zusammenhang zu bieten hat, um das Altern zu verzögern. Bereits als junge Teenagerin schätzte ich die gesundheitsfördernde Wirkung von Tee. Ich trank Unmengen grünen Tee. Mein Favorit wurde später abgelöst von der edlen weißen Variante. Dann griechischer Bergtee usw.

Als Teeliebhaberin und Fan der Phytopharmazie bin ich vor einigen Monaten auf „Jiaogulan“ gestoßen, zu Deutsch das Unsterblichkeitskraut. Der botanischer Name lautet Gynostemma pentaphyllum. Unsterblichkeit ist schon eine markige Ansage! Die Pflanze zählt zu den Kürbisgewächsen, stammt aus Ostasien und ist fester Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin. Übertreibungen im chinesischen Sprachgebrauch sind mir seit meiner China-Rundreise 2017 nicht unbekannt. Fest entschlossen, direkt mit einem Kopfsprung in die Traditionen einzutauchen, bestellte ich mir damals auf meinem Flug von München nach Beijing ein traditionelles chinesisches Frühstück anstelle eines kontinentalen Frühstücks . Neben einem faden bekömmlichen Reisschleim, lag da plötzlich ein in Plastikfolie eingeschweißtes „tausendjähriges Ei“. Als man mir sagte, was das sei, bekam ich erstmal einen Schrecken und ließ das Ding ratlos in meiner Handtasche verschwinden. Wohin bloß mit dieser Hühnereimumie?! Später erfuhr ich dann, dass es sich um eine Delikatesse handelt, diese Eier jedoch nicht tausend Jahre, sondern in Wahrheit maximal ein paar Jahre alt sind. Diese Art der maßlosen Übertreibung finde ich liebenswürdig, denn sie zeugt von einer kindlichen und phantasiereichen Mentalität der Chinesen.

Zurück zum Tee. Die Konsum des Jiaogulan soll gegen viele Zivilisationskrankheiten helfen, aber hierzulande ist er kaum bekannt. Einige seiner insgesamt über 100 Saponine findet man auch im berühmteren Ginseng, genauer gesagt in Panax ginseng. Deshalb wird die Pflanze auch Frauenginseng genannt. Allerdings enthält er dreimal so viele Saponine wie Ginseng. Daneben sind verschiedene Vitamine, Spurenelemente, Glykoside, Aminosäuren und Polysaccharide enthalten. Saponine haben in der Naturmedizin adaptogene Wirkung und sollen mitunter stressinduzierten Krankheiten entgegenwirken und vorbeugen. Der Konsum des Jiaogulan soll mitunter das Wohlbefinden fördern, die Konzentrationsfähigkeit steigern und Müdigkeit verringern. Zudem wird ihm nachgesagt, dass er das Cholesterin senkt, den Blutdruck reguliert und die Insulinsensitivität erhöht. Allerdings gibt es bisher keine fundierten Nachweise, da die Studienlage unzureichend ist. Es ranken jedoch viele Mythen um die Pflanze. So soll es in den Regionen Chinas, wo der Tee als Nationalgetränk gilt und häufig konsumiert wird, besonders viele Überhundertjährige geben und auch die Krebsrate ungewöhnlich gering sein. Insofern scheint die Pflanze zwar nicht unsterblich zu machen, sondern allenfalls zu einer guten Gesundheit beizutragen, die ein langes Leben begünstigt.

Versuch macht klug. Nach all meinen Recherchen zu der Wirkung dieser Heilpflanze war meine Neugier geweckt und ich suchte nach einem Anbieter in Deutschland. Schnell stellte ich fest, dass die Pflanze hierzulande gar nicht als Tee gekauft wird.

Im Jahr 2022 wurde Jiaogulan vom Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg als zulassungspflichtiges neuartiges Lebensmittel eingestuft. Nach Begutachtung durch das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe sei die Pflanze als Lebensmittel zulassungspflichtig. Bis also das entsprechende Zulassungsverfahren durchlaufen und erfolgreich abgeschlossen ist, darf die Pflanze im Sinne des Verbraucherschutzes nicht als Tee oder sonstiges Lebensmittel in Umlauf gebracht werden. Da ein solches Verfahren kostspielig ist, kann es also noch dauern. Mangels entsprechender Zulassung darf er gegenwärtig nur als Dekoration verkauft werden, quasi als eine Art Potpourri.

Bis die Unschädlichkeit des Konsums nachgewiesen ist, fließt viel Wasser den Rhein und den Jangtse runter. Da mir bei meinen Recherchen keine zwingenden Hinweise untergekommen ist, die für eine Toxizität der Pflanze und ihrer Bestandteile sprechen, habe ich mir 500 g getrocknete Blätter laborgeprüften Jiaogulans von einer aus meiner Sicht vertrauenswürdigen Quelle besorgt, einen Teelöffel davon mit 80 Grad heißen Wasser aufgebrüht und 10 Minuten ziehen lassen. Wenn schon, denn schon!, dachte ich mir. Parallel zum Verfassen dieses Posts trinke ich nun heute Morgen meine allererste Tasse lauwarme „Dekoration“. Der Tee ist geschmacklich unaufdringlich sowie leicht lieblich. In den folgenden Stunden bis zur Veröffentlichung am Abend stellte ich jedenfalls keine auffällige Wirkung fest, weder eine negative noch eine positive. Ich fühlte mich im Anschluss klar und munter, aber vielleicht war das auch nur der Placeboeffekt. Für einen ausführlichen Erfahrungsbericht genügt ein einmaliger Konsum ohnehin nicht. Aber zumindest habe ich einen ersten Eindruck gewonnen. Akut vergiftet habe ich mich jedenfalls nicht und es geht mir soweit gut. Auch mein Magen ist in Ordnung. Ob ich es bei der einen Tasse belasse oder weiter von der Unsterblichkeit koste, habe ich noch nicht entschieden…

[Diese ist keine Produkt- oder Verzehrsempfehlung, sondern ein persönlicher Erfahrungsbericht, der Unterhaltungszwecken dient. Von Nachahmung wird abgeraten.]

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