Tango ist, wenn man die Freiheit hat, zu tanzen, mit wem man will.

Kleine Kompromisse muss man als soziales Wesen im Umgang mit der Gesellschaft oft im Alltag eingehen, da man nicht die Zeit oder Energie hat, an allen Fronten gleichzeitig zu kämpfen. Aber es gibt Bereiche im Leben, da kommt es gar nicht infrage, Abstriche zu machen. Zum Beispiel bei der Wahl des Lebenspartners:
Wenn man in der Liebe entgegen seiner tatsächlichen Präferenzen aus rein pragmatischen Erwägungen eine Zweckverbindung eingeht (z.B. Vernunftehe wegen finanzieller Sicherheit), dann leugnet man seine wahren Bedürfnisse. Unweigerlich quält das die eigene Seele, egal wie sehr man versucht, seine Wahl vor sich selbst oder vor anderen zu legitimieren. Meist mündet das in Überkompensation und Propaganda („Seht her, ich habe alles richtig gemacht!“)
Spätestens wenn man sich jeden Abend zur angeblich „richtigen Wahl“ ins Bett legt, weiß man im Inneren genau, dass man an seinen wahren Träumen Lichtjahre vorbeilebt.
Im Tango ist es nicht anders als in der Liebe. Wenn man sich bei einer Milonga auf eine Tanda mit jemandem – aus welchen Gründen auch immer – einlässt, mit dem man in Wahrheit gar nicht tanzen will, zählt man die Minuten oder denkt an den morgigen Supermarkteinkauf, um die Zeit irgendwie totzuschlagen. Es quält einen und man ist froh, wenn die Tanda endlich vorbei ist.
Im Gegensatz zur Partnerwahl in der Liebe, die einen unter Umständen jahrelang oder im Worst Case sogar ein Leben lang begleitet, ist die falsche Wahl im Tango allerdings nicht allzu verheerend. Die Tanda ist schließlich nach ein paar Minuten wieder vorbei. Auch vom falschen Kurspartner kann man sich nach einer Testphase wieder lösen und seine Suche fortsetzen.
Aber dennoch ist die Verbindung ab dem Zeitpunkt der Erkenntnis irgendwie belastend.

Um auch bei wichtigen Lebensentscheidungen die nötige Zuversicht aufzubringen, „Nein“ zu jemandem zu sagen oder umgekehrt nur dann „Ja“ zu sagen wo man es tatsächlich empfindet, ermutige ich andere Tangueras zu mehr Mut und Stolz. Leider folgen viele von ihnen wahllos jeder Einladung, etwa aus Angst sitzen zu bleiben oder nicht den richtigen Tänzer zu finden. Das Vorgehen ist nicht nur bedauernswert, da es von einem Mangel an Freiheitsgefühl zeugt. Darüber hinaus verderben sie letztlich auch die Preise zulasten souveränerTänzerinnen.
Mit diesem Missstand sollte, zum Vorteil aller Tänzerinnen und Tänzer, aufgeräumt werden. Denn ist es nicht sehr viel schöner, mit dem richtigen Menschen zusammen zu sein….?
