Eins mit der Musik

[Warnung: der Beitrag enthält SPOILER zum Film „Rogue One: A Star Wars Story“]

Es dauert für gewöhnlich eine ganze Weile, aber wenn man mitten im Tangoleben angekommen ist, also schon diverse Kurse und Workshops in petto hat, regelmäßig Milongas besucht und die ersten Kontakte geknüpft hat, baut man die anfänglichen Hemmungen und Unsicherheiten langsam aber sicher ab. Zumindest erging es mir so. Mit zunehmender Erfahrung plagten mich nun nicht mehr diese anfänglichen, eher banalen Sorgen, ob ich etwa gut genug tanze oder mein Outfit richtig sitzt usw. Wichtig war von nun an nur der besondere Moment, den man mit diesem einen Menschen teilt.

Obwohl ich ab diesem Entwicklungsstadium wesentlich offener und entspannter in die Begegnungen hineinging, überforderte mich manchmal die Intimität, die das Tangotanzen nunmal unweigerlich erzeugt. Diese kommt ohne große Ankündigung wie aus dem Nichts! Cabeceo – fertig – los! Irgendwie erschien und erscheint diese rasante Entwicklung unnatürlich, vor allem wenn man bedenkt, wie lange es in anderen Lebensbereichen dauert bis Menschen sich einander annähern. Beim Tango ist es anders: plötzlich findet man sich in den Armen eines Fremden wieder und das nicht selten sogar mehrmals an einem Abend. Und dann geht es auch schon unmittelbar los, dieses ständige Geben und Nehmen von Energie….Wärme….und was weiß ich nicht alles.

Damit mich diese Intimität in der Abrazo nicht zu sehr überfordert, suchte ich nach einer Art Anker. Diesen fand ich letztendlich in der Musik. Beim Tanzen genauer hinzuhören, also meine Aufmerksamkeit gezielt auf die Melodien, Rhythmus und einzelne Instrumente zu richten, brachte nicht nur meine Gedanken und Gefühle zur Ruhe, sondern leitete mich zugleich an. Um diesen geistigen Fokus bewusst einzuläuten, dachte ich mir zunächst folgendes Mantra aus:

Ich bin eins mit der Musik

Dahinter verbirgt sich offen gestanden lediglich mein Wunschdenken, meine Bewegungen zum Ausdruck der Musik werden zu lassen bzw. sie mit ihr in Einklang zu bringen ohne(!) mir dabei untreu zu werden. Nach diesem Spagat strebe ich im Tango und er ist alles andere als leicht. Es gelingt mir bislang nur selten, aber dann freue ich mich umso mehr! Denn obwohl ich schon eine Zeit lang Tango tanzte, hatte ich mich mit der Musik und der Musikalität bis dato kaum befasst. Erst vor kurzem habe ich überhaupt damit begonnen. Dabei scheint die Musik der Schlüssel zum Tangohimmel zu sein. Man tanzt Tango schließlich nicht trotz der Musik, sondern gerade wegen der Musik.

Als Science-Fiction-Fan musste ich bei meinem Mantra-Entwurf zwangsläufig an ein Zitat aus „Rogue One: A Star Wars Story“ aus dem Jahr 2016 denken, nämlich an das legendäre Mantra des blinden Kriegermönchs Chirrut Îmwes (gespielt von Donnie Yen), welches übersetzt lautet: „Ich bin eins mit der Macht. Die Macht ist mit mir.“ (orig. I am one with the Force, and the Force is with me.). Von dieser Figur war ich schwer beeindruckt. Mit diesem Mantra bekannte sich der machtsensitive Mönch, welcher Mitglied des Ordens Wächter der Whills (Guardians of the Whills) war, die Macht zu kennen, zu achten und zu spüren, sich ihr hinzugeben, sich in Harmonie und Einklang mit ihr zu befinden und sich somit ihrer wohlwollenden Unterstützung jederzeit gewiss zu sein.

Diese Interpretation wird nicht zuletzt auch durch die ebenfalls von Chirrut gepredigte Langfassung gestützt „Die Macht ist mit mir. Ich bin eins mit der Macht. Und ich fürchte nichts, weil alles so ist wie die Macht es will“ (orig. The Force is with me, and I am one with the Force. And I fear nothing, because all is as the Force wills it.). Gemäß ihrer religiösen Praxis zogen die Wächter es jedenfalls vor, die Macht und ihre Präsenz zu spüren, wohingegen im Vergleich hierzu, die Jünger der Whills (Disciples of the Whills) sich mehr damit beschäftigten, ihr zuzuhören und ihren Willen zu ermitteln (Quelle: Lucasfilm Ltd. LLC, The World Disney Company. „Rogue One: A Star Wars Story“. Regie: Gareth Ewards, 2016.)

Was das mit Tango zutun hat? – Nun, die Welt des Tango Argentino ähnelt ebenfalls einem religiösen Kult und die Praktizierenden hegen nicht selten eine spirituelle Haltung zu Musik und Tanz.

Die Musik leitet den Tänzer im Grunde so an wie die Macht den gläubigen Mönch. So wie die Macht alle Materie, also alles Lebende und Nicht-Lebende bedingt, durchströmt und zusammenhält, so ist auch die Musik die unverzichtbare zentrale Kraft, die das Tanzen bzw. Tanzenwollen sowie letztendlich alles, was sich im Tango und auch zwischen den Zeilen abspielt, überhaupt kausal ermöglicht.

Motiviert durch mein obiges Wunschdenken und inspiriert von Chirruts Worten, ergänzte ich mein zweites Tangomantra und denke mir oft noch heute zu Beginn einer Tanda:

Ich bin eins mit der Musik und die Musik ist mit mir

…möge die Musik auch mit euch sein. Immer. ;–)

Eine unsterbliche Stimme

Die menschliche Stimme gilt als Königin aller Instrumente. Im Falle von Maria Callas (*2.12.1923 – † 16.09.1977) zu Recht wie man an den unten aufgeführten Beispielen hört. Die griechische Opernsängerin war ein Ausnahmetalent, welches hohe Maßstäbe setzte. Ihre Stimme umfasste fast drei Oktaven und galt als besonders biegsam. In Mexiko erntete sie 1951 tosenden Applaus, als sie in „Aida“ den zweiten Akt der Siegesarie – entgegen der Partitur – überraschend mit einem perfekten ES3-Ton abschloss (vgl. Aufnahme unten).

Die letzten Tage im tragischen Leben der Diva erscheinen bald auf der Kinoleinwand. Angelina Jolie wurde die Ehre zuteil, sie in „Maria“ zu verkörpern. Regie führt Pablo Larraín.

Wie oftmals überdramatisierend berichtet wurde, soll die Sängerin an ihrem gebrochenen Herzen gestorben sein, genauer gesagt an ihrer unglücklichen Liebe zu Aristoteles Onassis. Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Mit dem milliardenschweren griechisch-argentinischen Reeder führte sie eine On-Off-Affaire. Sie erlag mit nur 53 Jahren einem Herzinfarkt in Paris, der Stadt der Liebe wohlgemerkt. Ihre Urne ruht auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise.

Ob ein Mensch tatsächlich an Liebeskummer sterben kann, ist fraglich. Möglicherweise spielten auch andere Faktoren wie etwa der Lebensstil eine Rolle. Callas rauchte und bekanntlich ist Nikotinkonsum der Herzgesundheit auf Dauer nicht zuträglich. Seit einiger Zeit ist das Broken-Heart-Syndrom jedenfalls Gegenstand medizinischer Forschung. Einer Gruppe Kardiologen unter der Leitung von Prof. Dr. Christian Templin ist es in Zusammenarbeit mit Neurowissenschaftlern der Universität Zürich 2019 gelungen nachzuweisen, dass das Takotsubo-Syndrom (TTS), wie man dieses medizinische Phänomen ebenfalls nennt, ähnliche Symptome wie ein Herzinfarkt verursacht. Ausgelöst wird diese pathologische Veränderung z.B. durch Stress oder auch emotionale Belastung. Die Forscher stellten einen Zusammenhang zwischen Hirn und Herzregulation fest. Aber auch fernab der westlichen Schulmedizin, ist diese Assoziation nicht unbekannt. In China glaubt man, das Herz sei der Sitz des Geistes (Shen). Es reguliere die Seele und die Wahrnehmung. Die Harmonie der Seele soll demnach von entscheidender Bedeutung für die Beziehungsfähigkeit eines Menschen zu anderen sein. Umgekehrt lässt dies wohl den Schluss zu, dass emotionale Belastungen oder schlechte Beziehungen Störungen des Organs verursachen können.

Woran auch immer Maria Callas letztendlich konkret gestorben sein mag – ihr Stimme bleibt unsterblich. Aber hört am besten einfach selbst:

Arie „Où est la jeune Hindoue“ aus der französischen Oper „Lakmé“
Siegesarie aus „Aida“ mit legendärem es3

Jiaogulan – forever young

Unsterblichkeit mag für Viele vielleicht verlockend klingen. Der Traum vom ewigen Leben dürfte wohl so alt wie der Mensch über seine Existenz reflektieren kann. Aber ich persönlich finde es nicht erstrebenswert, ewig zu leben. Das Leben ist spannend und kostbar, gerade weil seine hellen und dunklen Momente quantitativ limitiert sind. In ihrer Qualität hingegen sind ihnen manchmal keine Grenzen gesetzt. Damit gebe ich mich zufrieden – zumindest auf dieser Existenzebene. Allerdings bin ich schon irgendwie froh, dass die Lebenserwartung von Frauen und Männern dank Wissenschaft und Medizin deutlich gestiegen ist. Lebte ich beispielsweise im 19. Jhd, so hieße es für mich – zumindest statisch betrachtet – schon bald game over. So eilig hätte ich es dann doch nicht. :–)

Gegen das Altwerden ist an sich nichts einzuwenden. Aber um jeden Preis uralt werden? Wenn schon altern, dann doch bitteschön mit Würde und bei bestmöglicher Gesundheit! Ein hohes Alter unter Gebrechen, Gelenkprothesen und Stents oder unter geistigem Abbau zu erreichen, um dann irgendwann wie ein Zombie im Pflegebett vor sich hin zu vegetieren und seine eigenen Kinder und Enkel nicht wiederzuerkennen, klingt irgendwie nicht gerade glamourös. Was hat sich die Natur eigentlich dabei gedacht, dem Menschen diesen langwierigen und leidvollen Verfall zuzumuten, der in Relation zur gesamten Lebensspanne in vielen Fällen einen nicht unbeachtlichen Zeitraum einnimmt? Und war das denn wirklich so geplant oder war das nicht vielleicht doch ein Fehler der Evolution? Na ja damit können sich gerne die Gerontologen befassen.

Die Themen Aging und Anti-Aging fand ich schon immer spannend, noch lange bevor diese Begriffe in aller Munde waren. Insbesondere das, was die Kräuterheilkunde in diesem Zusammenhang zu bieten hat, um das Altern zu verzögern. Bereits als junge Teenagerin schätzte ich die gesundheitsfördernde Wirkung von Tee. Ich trank Unmengen grünen Tee. Mein Favorit wurde später abgelöst von der edlen weißen Variante. Dann griechischer Bergtee usw.

Als Teeliebhaberin und Fan der Phytopharmazie bin ich vor einigen Monaten auf „Jiaogulan“ gestoßen, zu Deutsch das Unsterblichkeitskraut. Der botanischer Name lautet Gynostemma pentaphyllum. Unsterblichkeit ist schon eine markige Ansage! Die Pflanze zählt zu den Kürbisgewächsen, stammt aus Ostasien und ist fester Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin. Übertreibungen im chinesischen Sprachgebrauch sind mir seit meiner China-Rundreise 2017 nicht unbekannt. Fest entschlossen, direkt mit einem Kopfsprung in die Traditionen einzutauchen, bestellte ich mir damals auf meinem Flug von München nach Beijing ein traditionelles chinesisches Frühstück anstelle eines kontinentalen Frühstücks . Neben einem faden bekömmlichen Reisschleim, lag da plötzlich ein in Plastikfolie eingeschweißtes „tausendjähriges Ei“. Als man mir sagte, was das sei, bekam ich erstmal einen Schrecken und ließ das Ding ratlos in meiner Handtasche verschwinden. Wohin bloß mit dieser Hühnereimumie?! Später erfuhr ich dann, dass es sich um eine Delikatesse handelt, diese Eier jedoch nicht tausend Jahre, sondern in Wahrheit maximal ein paar Jahre alt sind. Diese Art der maßlosen Übertreibung finde ich liebenswürdig, denn sie zeugt von einer kindlichen und phantasiereichen Mentalität der Chinesen.

Zurück zum Tee. Die Konsum des Jiaogulan soll gegen viele Zivilisationskrankheiten helfen, aber hierzulande ist er kaum bekannt. Einige seiner insgesamt über 100 Saponine findet man auch im berühmteren Ginseng, genauer gesagt in Panax ginseng. Deshalb wird die Pflanze auch Frauenginseng genannt. Allerdings enthält er dreimal so viele Saponine wie Ginseng. Daneben sind verschiedene Vitamine, Spurenelemente, Glykoside, Aminosäuren und Polysaccharide enthalten. Saponine haben in der Naturmedizin adaptogene Wirkung und sollen mitunter stressinduzierten Krankheiten entgegenwirken und vorbeugen. Der Konsum des Jiaogulan soll mitunter das Wohlbefinden fördern, die Konzentrationsfähigkeit steigern und Müdigkeit verringern. Zudem wird ihm nachgesagt, dass er das Cholesterin senkt, den Blutdruck reguliert und die Insulinsensitivität erhöht. Allerdings gibt es bisher keine fundierten Nachweise, da die Studienlage unzureichend ist. Es ranken jedoch viele Mythen um die Pflanze. So soll es in den Regionen Chinas, wo der Tee als Nationalgetränk gilt und häufig konsumiert wird, besonders viele Überhundertjährige geben und auch die Krebsrate ungewöhnlich gering sein. Insofern scheint die Pflanze zwar nicht unsterblich zu machen, sondern allenfalls zu einer guten Gesundheit beizutragen, die ein langes Leben begünstigt.

Versuch macht klug. Nach all meinen Recherchen zu der Wirkung dieser Heilpflanze war meine Neugier geweckt und ich suchte nach einem Anbieter in Deutschland. Schnell stellte ich fest, dass die Pflanze hierzulande gar nicht als Tee gekauft wird.

Im Jahr 2022 wurde Jiaogulan vom Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg als zulassungspflichtiges neuartiges Lebensmittel eingestuft. Nach Begutachtung durch das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe sei die Pflanze als Lebensmittel zulassungspflichtig. Bis also das entsprechende Zulassungsverfahren durchlaufen und erfolgreich abgeschlossen ist, darf die Pflanze im Sinne des Verbraucherschutzes nicht als Tee oder sonstiges Lebensmittel in Umlauf gebracht werden. Da ein solches Verfahren kostspielig ist, kann es also noch dauern. Mangels entsprechender Zulassung darf er gegenwärtig nur als Dekoration verkauft werden, quasi als eine Art Potpourri.

Bis die Unschädlichkeit des Konsums nachgewiesen ist, fließt viel Wasser den Rhein und den Jangtse runter. Da mir bei meinen Recherchen keine zwingenden Hinweise untergekommen ist, die für eine Toxizität der Pflanze und ihrer Bestandteile sprechen, habe ich mir 500 g getrocknete Blätter laborgeprüften Jiaogulans von einer aus meiner Sicht vertrauenswürdigen Quelle besorgt, einen Teelöffel davon mit 80 Grad heißen Wasser aufgebrüht und 10 Minuten ziehen lassen. Wenn schon, denn schon!, dachte ich mir. Parallel zum Verfassen dieses Posts trinke ich nun heute Morgen meine allererste Tasse lauwarme „Dekoration“. Der Tee ist geschmacklich unaufdringlich sowie leicht lieblich. In den folgenden Stunden bis zur Veröffentlichung am Abend stellte ich jedenfalls keine auffällige Wirkung fest, weder eine negative noch eine positive. Ich fühlte mich im Anschluss klar und munter, aber vielleicht war das auch nur der Placeboeffekt. Für einen ausführlichen Erfahrungsbericht genügt ein einmaliger Konsum ohnehin nicht. Aber zumindest habe ich einen ersten Eindruck gewonnen. Akut vergiftet habe ich mich jedenfalls nicht und es geht mir soweit gut. Auch mein Magen ist in Ordnung. Ob ich es bei der einen Tasse belasse oder weiter von der Unsterblichkeit koste, habe ich noch nicht entschieden…

[Diese ist keine Produkt- oder Verzehrsempfehlung, sondern ein persönlicher Erfahrungsbericht, der Unterhaltungszwecken dient. Von Nachahmung wird abgeraten.]

Was, wenn du den perfekten Partner hättest?

von Christos Kouroupetroglou

Originaltitel: „What if you had the perfect partner“

Quelle: Goodnight Tango  

Übersetzung: Niki Xenodimitropoulou

ChatGPT und Tango-Dialoge

Einer meiner früheren Beiträge hatte den Titel The Imitation Game und befasste sich mit Aspekten darüber, wie sich Gemeinschaften unterscheiden und was sie beeinflusst. Der Titel war inspiriert durch den gleichnamigen Film über das Leben von Alan Turing, den viele als den Vater der modernen Informatik bezeichnen. Eines der berühmtesten von Turing geschaffenen Prinzipien ist der Turing-Test, mit dem man ein System als künstliche Intelligenz klassifizieren kann. Das Prinzip ist einfach. Nehmen wir an, ein Mensch interagiert über eine Schnittstelle mit etwas, das ein Chat, ein Spiel etc. sein könnte. Wenn die Person während der Interaktion nicht erkennen kann, dass sie mit einer Art Maschine interagiert, oder anders gesagt, wenn sie das Gefühl hat, mit einem anderen Menschen zu interagieren, dann kann das System auf der anderen Seite als KI eingestuft werden.

Wer schon einmal versucht hat, mit ChatGPT und anderen ähnlichen Chatbots zu chatten, weiß, dass die Antworten eine erstaunliche Ähnlichkeit mit dem Dialog mit einem Menschen aufweisen. Diese Tools werden von Menschen bereits als KI eingestuft. Viele jedoch, wie Noam Chomsky, stellen fest, dass die Maschine die Begriffe, über die sie schreibt, nicht versteht. Diese Tools arbeiten bisher mehr oder weniger als Prognose-Tools. Sie haben unzählige Texten erfasst und können berechnen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Wort auf ein anderes folgt, und so konstruieren sie ihre Antworten. Abgesehen vom Fakten-Check und anderen Bedenken möchte ich mich hier auf das letztendliche Potenzial der KI für Tango konzentrieren.

Wie wir oft zu sagen pflegen (und ich in fast jedem meiner Beitrag schreibe), ist Tango wie ein Dialog zwischen den Partnern. Tools wie ChatGPT könnten in Zukunft zahlloseso Videos von tanzenden Menschen analysieren, um Choreografien zu entwickeln oder sogar Choreografien im Handumdrehen anhand eines bestimmten Musikstücks und der Live-Reaktionen eines menschlichen Partners zu erstellen. Sie könnten das tun, was ein gewöhnliches Paar auf der Tanzfläche so tut. Das Einzige, was noch fehlt, ist die Schnittstelle… eine Möglichkeit, mit dem Partner zu kommunizieren (Informationen zu übermitteln und zu empfangen).

Blick in die Robotik

Die Robotik ist ein weiterer Bereich, der in den letzten Jahren erstaunliche Fortschritte gemacht hat. Boston Dynamics hat bereits viele Videos von Robotern veröffentlicht, die zu vorprogrammierten Choreografien tanzen. Natürlich erfordert das Tanzen von Tango eine andere, menschenähnlichere Form eines Roboters, aber ich denke, auch das ist nicht mehr weit entfernt. In Bereichen wie der Erotikindustrie wird bereits an Aspekten der Robotertechnik gearbeitet, um sie menschlicher zu machen, sogar was den Tastsinn anbelangt.

Berücksichtigt man all diese Aspekte, ist es also durchaus denkbar, dass Roboter auf viele verschiedene Arten sowie auch Tänze eingesetzt werden, wobei der Tango einer davon ist. Die Anwendungsbereiche könnten vom ganz gewöhnlichen Tangolehrer oder Übungspartner, der die für den Tanz erforderliche Körpermechanik erklären und lehren kann, bis hin zum Ersatz von Taxitänzern reichen. Die Frage ist, ob wir als Menschen sie akzeptieren würden und bis zu welchem Punkt? Würden solche Anwendungen sogar zu weiteren Stilrichtungen in den Communitys führen, wie die bereits bestehenden Stile Salon, Milonguero, Nuevo etc.? Würden die Menschen das Tanzen mit einem Roboter als echten Tanz ansehen… oder als etwas anderes? Wären wir imstande, vielleicht sogar Showaufführungen von Mensch-Roboter-Tänzen zu akzeptieren?

Würdest du mit mir tanzen?

Die grundsätzliche Frage, die dem Ganzen zugrunde liegt, lautet also: Würdest du mit einem solchen Roboter tanzen? Angenommen, es wäre ihm möglich, sich wie ein Mensch zur Musik zu bewegen und auf deine Bewegungen zu reagieren… würdest du es in Betracht ziehen, mit ihm zu tanzen? Ich habe diese Frage vor ein paar Wochen in der Gruppe Tango Friends gestellt, die etwa 20000 Mitglieder hat. Die Diskussion war recht interessant, und ich muss sagen, dass viele ihn für das Unterrichten und Üben in Betracht ziehen würden, aber weitaus weniger würden ihn für eine Tanda in einer Milonga bevorzugen (obwohl es durchaus auch Antworten gab, die dies befürworteten). Einige gaben wiederum ganz klar an, dass sie nicht einmal darüber nachdenken würden. Offensichtlich gehen die Meinungen zu diesem Thema weit auseinander, und ich erwarte, dass sich die Stimmung in der Zukunft je nach technologischem Fortschritt ändern wird.

Interessanterweise habe ich die gleiche Frage vor einigen Monaten auch ChatGPT gestellt und ich muss sagen, dass ich von der Antwort wirklich beeindruckt war. Vor allem als es um die Gründe ging, warum man dies tun würde. Die meisten Antworten von ChatGPT waren die gleichen wie die, die die Leute in ihren Antworten genannt haben. Einer der Gründe, der in den Antworten der Leute übersehen wurde, war jedoch die Sozialangst. Ich verstehe, dass die meisten Menschen in einer Facebook-Gruppe zum Thema Tango ihre Ängste überwunden haben, also ist es nur natürlich, sie nicht zu erwähnen. Außerdem kann es ein Tabu sein, solche Ängste und Befürchtungen in einer Gruppe von tausend potenziellen Partnern offen darzulegen. Aber dieser Grund ist womöglich eine Anwendungsmöglichkeit für die Robotik im Tango, die uns dabei behilflich sein könnte, es denjenigen von uns leichter zu machen, die tatsächlich mit solchen Schwierigkeiten konfrontiert sind. Womöglich können Roboter in der Zukunft Menschen dabei helfen, ein wenig länger bei diesem Hobby zu bleiben und die Probleme der sozialen Ängste zu überwinden, mit denen sie anfangs vielleicht konfrontiert sind. Eventuell können sie uns dabei helfen, unsere Communitys auf eine gesündere Weise zu erweitern.

Der Weg ist das Ziel

Um jedoch auf die Frage zurückzukommen. Der menschliche Tänzer ist fehleranfällig… er kann einen guten oder schlechten Tag haben… er kann die Musik gut oder schlecht kennen… kurz gesagt… er ist nicht zuverlässig. Der Roboter hingegen ist 100% zuverlässig. Er wird niemals müde, er kennt die Musik, er wird nicht durch frühere Erfahrungen beeinflusst, also kann er keinen schlechten Tag haben, etc…. ganz zu schweigen davon, dass der Roboter dir gehören könnte! Würdest du mit einem Roboter tanzen, wenn du all das berücksichtigst? Würdest du lieber mit einem Roboter als mit einem menschlichen Tänzer tanzen?… und die noch wichtigere Frage ist… Warum?

Allein über die Antwort nachzudenken, ist meiner Meinung nach eine sehr interessante Reise. Sie kann uns Aufschluss darüber geben, was wir an diesem Tanz schätzen. Die Antwort wird natürlich nicht für jeden dieselbe sein, und vielleicht werden die Menschen am Ende ihre Meinung ändern und umdenken, wenn diese technologischen Anwendungsmöglichkeiten Realität werden. Aber der Weg zur Antwort oder besser noch der Weg zwischen den verschiedenen Antworten, die eine Person in Zukunft geben könnte, ist das Wichtigste.

Der heutige Goodnight Tango

Ich werde dir keine Antwort geben, denn ich stehe noch am Anfang dieser Reise. Wie ich schon sagte, gibt es nicht die eine Antwort… nicht einmal für ein und dieselbe Person. Es gibt nur eine einzigartige Reise zu den verschiedenen Antworten, die jeder von uns unternehmen sollte, mit dem eigenen Herzen als Kompass… als Wegweiser, wie der Titel des heutigen Goodnight Tango sagt.

Wenn du bis hierher gelesen hast…
Dankesehr und Glückwunsch!
Du bist am Ende angelangt!
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